Aktion Pflegesterne spricht 575.000 ehemalige Pflegekräfte an >
< Abend wird es wieder
02.04.20 - Kategorie: Samariterstift Aalen, Samariterstift Ebnat, Samariterstift am Ulrichsberg

Abend wird es wieder


Wie Bewohner, Angehörige und Betreuungskräfte im Samariterstift Aalen positiv bleiben
„Es wird jeden Tag wieder Abend“, sagt Else Kutschera* weise. Die 86jährige ist eine von insgesamt 104 Bewohnerinnen und Bewohnern im Samariterstift Aalen, die seit elf Tagen als Schutzmaßnahme keinen Besuch mehr bekommen dürfen. Was bedeutet das für Sie und die Angehörigen? Welche besonderen Aufgaben ergeben sich daraus für die Betreuung der Hausbewohnerinnen und –bewohner?  

„Für uns alle ist die derzeitige Situation im Samariterstift in Aalen sehr herausfordernd – sowohl für die Hausbewohner als auch für das hiesige Personal“, sagt Hausleiter Christoph Rohlik. Täglich wird krisenstabmäßig beraten, was der Moment jetzt gerade an Maßnahmen verlangt. „Wir tragen die Verantwortung, und wir wollen alles tun, was in unserer Macht steht, damit wir heil durch die Zeiten kommen“, erklärt er. Mit fast schon stoischer Gelassenheit nimmt Else Kutschera* die Lage zur Kenntnis. „Wissen Sie, so was hab‘ ich noch nie erlebt. Selbst nach dem Krieg war es nicht so schlimm. Weil, da hat man zusammengehalten“, erinnert sie sich. Dass genau das gerade nicht geht, ist schlimm, richtig schlimm und trotzdem „es muss halt weitergehen, dann hört es auch mal auf“.  

Im Leben komme es immer mal wieder darauf an, Geduld zu haben, so ihre Erfahrung. Nur, das Warten mit Gleichmut zu ertragen, fällt nicht jedem leicht. „Es schwebt schon einiges an Ängsten und Sorgen im Raum“, erspürt Rohlik. Deshalb hätten die Verantwortlichen in der Betreuung Maßnahmen ergriffen. „Wir wollen der Angst positiv entgegenwirken.“ So wird regelmäßig ein Gottesdienst über die Hausanlage übertragen. Die Betreuungskräfte haben die Beschäftigungsangebote ausgeweitet. Es gibt Möglichkeiten sich zu bewegen, das Gedächtnis zu trainieren, zu singen oder gar zu tanzen. Außerdem sind Reservegruppen gebildet worden, denn auch wenn Fachkräfte wegen Krankheit ausfallen, sollen die alten Menschen weiter gut versorgt sein.

Das Team in Aalen verlässt weder der Mut noch die Hoffnung, diese schwere Zeit unbeschadet überstehen zu können. „Dafür geben meine Kolleginnen und Kollegen alles“, sagt Christoph Rohlik voller Zuversicht. Die Bewohner müssen keinesfalls alleine durch diese schwere Zeit. „Zudem bringen uns so viele Angehörige kleine Geschenke, die bei den Senioren auf viel Freude stoßen“, sagt der Chef des Hauses. „Für die Mitmenschlichkeit darf ich mich an dieser Stelle ganz herzlich bedanken!"

*Name redaktionell geändert