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29.05.19 - Kategorie: Fachschule Leonberg

Viel Bewegung im Ruhestand


Rainer Schenzle geht als Schulleiter der Evangelischen Berufsfachschule für Altenpflege in den Ruhestand.

Kaum denkbar und doch wird es jetzt wahr: Rainer Schenzle verlässt die Evangelische Berufsfachschule für Altenpflege in Leonberg. Seit 1981 ist Schenzle der Samariterstiftung verbunden und seit April 1989 als Lehrer, seit 1997 als Schulleiter)

Nun geht er mit 61 Jahren in den Ruhestand. In ein Rentner-Dasein, das gar nicht so besonders ruhig laufen wird, denn er hat sich viele schöne Reisen vorgenommen.

1989 ist die Evangelische Berufsfachschule für Altenpflege gegründet worden. Sie war die zweite Berufsfachschule der Samariterstiftung, die bereits am 2. Januar 1962 im heutigen Dr.-Vöhringer-Heim in Oberensingen die erste Fachschule in Württemberg mit nur einer Klasse betrieb. Mit dem Bau des Hauses am Österberg in Tübingen wurde die Schule dorthin verlagert. Als das Haus am Österberg aufgegeben wurde, wechselte die Trägerschaft der Schule zum Diakonischen Institut für soziale Berufe. Seither trägt die Samariterstiftung nur noch die Leonberger Schule. Die aber genießt seit jeher einen hervorragenden Ruf. Auf mittlerweile knapp 1000 Quadratmetern wurden sieben inzwischen wieder sechs Klassen von einem fünfköpfigen Lehrteam unterrichtet. Und vom ersten Tag an ist Rainer Schenzle dabei.

An der Schule wird mit etwa 90 Kooperationspartnern zusammen gearbeitet, darunter auch Sozial- und Diakoniestationen. „Ich bin mächtig stolz darauf, mit welchem Engagement die Berufsschüler und Berufsschülerinnen in diesen Beruf starten“, lobte er seine Schüler. Die Begegnungen mit ihnen, der direkte Kontakt das Miteinander im Unterricht, das habe ihn stets fasziniert. „Das war das Inspirierende.“ Gelehrt wird Anatomie, Ethik und Kulturkunde. Während bundesweit die Zahlen der Altenpflegeschüler seit 2010 um 15 Prozent zurückgegangen sind, startet die Leonberger Schule pro Schuljahr mit 50 bis 60 neuen Schülern“, berichtet Rainer Schenzle. Die Samariterstiftung genieße als Marke einen guten Ruf, sei bekannt dafür, dass sie für qualifizierte Schüler die Leiter nach oben durchlässig präsentiere.

Das wird auch künftig so bleiben. Doch eines wird sich ändern, und Schenzle wird es nicht mehr live miterleben. Im kommenden Jahr startet die generalistische Ausbildung der Schülerinnen und Schüler. Zwar wurde auch bislang an der Leonberger Schule viel, Gewicht auf die behandlungspflegerischen Themen gelegt, doch nun ziehen die Ausbildungen in den Pflegeberufen alle gleich. Für Schenzle nicht uneingeschränkt ein Gewinn. „Mit meinen Erfahrungen im Hintergrund blicke ich durchaus kritisch auf das Thema.“ Doch damit muss er sich nur noch als Privatier befassen. Und fürs Private hat er seine Schwerpunkte eigentlich alle schon gesetzt. Er möchte in seiner freien Zeit wieder ganz aktiv und oft den Kochlöffel schwingen, denn er ist leidenschaftlicher Hobbykoch . Gleich nach dem Abschied geht es mit seiner Frau für vier Wochen nach Frankreich und für Oktober ist schon die Australien-Reise gebucht. Denn das bleibt Rainer Schenzle auf jeden Fall erhalten, ob mit oder ohne Dienst für die Stiftung: seine Neugier und sein Interesse an Menschen und an allem, was sie so bewegt.

Mehr als 30 Jahren hat er die Geschicke der Schule ge- und begleitet. Ihm war es immer wichtig, den jungen Menschen gut zu vermitteln, warum sich dieser Beruf lohnt. „Die Vergütungen sind nicht so schlecht, wie oft dargestellt“, sagt er, „Auszubildende erhalten im 1. Ausbildungsjahr bereits mehr als 1000 Euro brutto. Als fertige Fachkraft geht es dann bei etwa 2.300 Euro los und steigt auf bis zu 3000 Euro Bruttovergütung. Die Möglichkeiten Karriere zu machen seien vielfältig und auch ein Studium könne sich anschließen.

Die Geschichte der Pflege ist eng mit der der Industrialisierung und Emanzipation verbunden. Bis in die Zeit der beiden Weltkriege war Pflege Aufgabe der Kirchen, der diakonischen Einrichtungen und ähnlichem. Es wurde gearbeitet für den sprichwörtlichen „Gotteslohn“, aus purer Nächstenliebe. Die Pflege älterer Menschen wurde zum überwiegenden Teil von weiblichen Familienmitgliedern, Schwestern oder Nonnen geleistet. Doch nach dem zweiten Weltkrieg blieben Frauen ohne Ehemänner, alte Menschen ohne Familie zurück, traditionelle Familienstrukturen, in denen Frauen als Töchter, Schwiegertöchter, Ehefrauen und Mütter die Hauptlast der Familienpflege trugen, lösten sich auf. Der Anteil der berufstätigen Frauen erhöhte sich. Sie hatten Familien alleine durchzubringen. Pflege war das, was sie konnten. Doch, was sie „verdienten“, war das Wort nicht wert. Noch heute arbeiten in der Altenpflege bis zu 80 Prozent Frauen. Sie verdienen bis zu 2200 Euro brutto, haben Dienst am Wochenende, arbeiten in Schichtbetrieb und müssen ran, wenn sie eigentlich frei haben, weil das Personal so knapp ist. Erst seit 1989 können sie sich sicher sein, dass sie Anspruch auf eine dreijährige Ausbildung sowie auf die Vergütung derselben haben.