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02.05.19 - Kategorie: Dr.-Vöhringer-Heim + Kroatenhof

„Ich mag es, Verantwortung zu übernehmen“


Gladys Yolanda Eicher (Altenpflegeschülerin im 2. Lehrjahr) und Luke Schwörer (Altenpflegeschüler im 1. Lehrjahr) gemeinsam mit der Bewohnerin Friederika Götz, die voll des Lobes über den Einsatz der jungen Pflegekräfte ist. (sel)

Pilotprojekt „Schüler leiten eine Station“ im Dr.-Vöhringer-Heim erfolgreich abgeschlossen

(sel) Luke Schwörer, Altenpflegeschüler im Oberensinger Dr.-Vöhringer-Heim, mag es, Verantwortung zu übernehmen, zu organisieren, offen zu sein für Neues. „Selbständig zu arbeiten macht Spaß, Verantwortung zu übernehmen gibt mir die Chance, zu zeigen, was ich kann.“ Im Alltag werde man als Auszubildender oft zurückgehalten. Im Pilotprojekt „Schüler leiten eine Station“ habe er die Chance bekommen, alle Bereiche einer Pflegeeinrichtung kennenzulernen, Dinge einfach zu probieren. Das mache großen Spaß. Nein, so in der Verantwortung für zu pflegende Menschen zu stehen, habe ihn keineswegs in der Berufswahl verunsichert. Im Gegenteil. Im Pilotprojekt zu sehen, was auf einen Altenpfleger im Alltag zukommt, das ganze Spektrum der Tätigkeiten kennen zu lernen, Verantwortung zu übernehmen, das habe ihn in seiner Entscheidung für den Beruf bestärkt. 

18 junge Menschen absolvieren derzeit im Dr.-Vöhringer-Heim eine Ausbildung zur Altenpflegefachkraft. Zwei Wochen lang übernahmen diese „rund um die Uhr“ die Verantwortung für die Pflege von 38 Menschen im 1. Stock im Haus Aich. Natürlich stets im Hintergrund begleitet von Fachkräften, die jeden Schritt der jungen Menschen beratend begleiteten. 

Entwickelt wurde das Pilotprojekt von Pflegedienstleiterin Tamara Roth und Teamleiter Christian Müller. Die Schüler sollten die Chance erhalten, eigenständig zu arbeiten, die Verantwortung für den Ablauf einer Station selbst erfahren, zu erkennen, wo welche Handgriffe erforderlich sind. 

Im Pflegealltag, weiß Teamleiter Christian Müller, bleibe für Schüler wenig Zeit zum Lernen, der Zeitdruck lasse oft nicht genügend Zeit für eine intensive Anleitung, die Ausbildung komme zu kurz. Einblicke in den Pflegealltag seien selten so komplex, wie dies jetzt im Pilotprojekt den Schülern ermöglicht wurde. Und die Auszubildenden nahmen zum großen Teil ihren Auftrag sehr ernst, packten die Herausforderung mit Engagement an, erstellten Dienstpläne für alle drei Schichten, organisierten Ersatz, wenn Pflegekräfte ausfielen. Zum eigenständigen Arbeiten der Altenpflegeschüler aus allen drei Lehrjahren gehörte die Begleitung der Arztvisiten genauso wie Gespräche mit Angehörigen. Sie bestellten Rezepte, organisierten die Lieferung aus den Apotheken, erledigten die Grundpflege der Hausbewohner, sorgten für die erforderlichen Transfers, erörterten im Team notwendig werdende Maßnahmen, stellten ein breites Angebot an Beschäftigungsmöglichkeiten sicher. Viel Zeit beanspruchte die Dokumentation der Arbeit am und mit den Bewohnern. Und eine ganz wichtige Erfahrung war für die Schüler, die Notwendigkeit einer offenen Kommunikation im Team und zwischen den drei Arbeitsschichten. 

Und zum Gesamtbild des Alltags auf einer Pflegestation gehört dann auch die Aufmerksamkeit für die individuellen Wünsche der zu Pflegenden. Die Bewohner einer Pflegeeinrichtung sind stets der Mittelpunkt allen Tuns. Das erfordert von den Pflegekräften immer wieder, sich selbst zurückzunehmen. 
Wie viel Kraft es kostet, all diesen Anforderungen gerecht zu werden, das erlebten die Altenpflegeschüler im Rahmen des Pilotprojekts jetzt erstmals ganz hautnah selbst. Altenpflege erfordert ein hohes Maß an Professionalität. Dass bei dieser großen Herausforderung auch mal Fehler passieren, ist für Teamleiter Christian Müller menschlich. Wichtig sei in solchen Momenten, dass Kritik konstruktiv aufgenommen werde und der Betroffene bereit sei, Fehler einzuräumen und daran zu arbeiten. 

Eine Erfahrung der Altenpflegeschüler im Pilotprojekt war gewiss die Erkenntnis, wie wichtig Teamarbeit ist. Und da galt es für die Auszubildende zuerst, sich selbst als Team zusammen zu finden. Schließlich haben die Schüler nie zuvor in dieser engen Gemeinschaft zusammengearbeitet. „Ein gutes Team kann alles stemmen“ weiß Christian Müller. Und da freute es ihn besonders, dass die Altenpflegeschüler im Pilotprojekt ausgesprochen respektvoll auch im Umgang miteinander waren.