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23.05.19 - Kategorie: Dr.-Vöhringer-Heim + Kroatenhof

Die Magie der Musik – die Opernsängerin Maria Amiradis zu Gast auf der Eckbank


Beim Eckbankgespräch in der Wohnanlage am Kroatenhof konnten die Zuhörer in die Welt einer Opernsängerin eintauchen. Die in Nürtingen lebende, griechisch stämmige Sopranistin Maria Amiradis, mit bürgerlichem Namen Maria Tselegidis-Reiner erzählte lebhaft von ihrem Werdegang, besonderen Erlebnissen und ihrer Einstellung zum Gesang. Interviewt wurde sie von Norbert Rink, der lange Zeit das Café Logos des Kulturvereins Provisorium und der VHS Nürtingen moderiert hat.

Die Liebe für den Gesang hat ihre Mutter ihr sozusagen in die Wiege gelegt. Diese sang viel und die Tochter verlangte bei ihren Lieblingsliedern immer wieder eine Wiederholung, später hat Maria Amiradis im Schulchor gesungen. Den Wunsch Sängerin zu werden, hat ihr damaliger Schuldirektor in ihr entfacht, indem er die 16-jährige darauf ansprach, ob sie den Gesang nicht zu ihrer Profession machen wolle. Sie studierte an der Musikhochschule in Stuttgart und vervollständigte ihre Ausbildung bei Bernhard Adler in Wien, Dennis Heath in Los Angeles und Hans-Joseph Kasper im Primstal (Saarland). Sie war Meisterschülerin unter anderem von Christa Ludwig, Franzisco Araiza, James King und Magda Oliviero. Darüber hinaus war sie Preisträgerin und Finalistin zahlreicher renommierter Gesangswettbewerbe, wie zum Beispiel des Internationalen Koloraturgesangwettbewerbs Stuttgart und des Bundeswettbewerbs Gesang Berlin.
Zum Repertoire von Maria Amiradis gehören unter anderem die Königin der Nacht in der Zauberflöte (Mozart), die Rosalinde in der Fledermaus (Johann Strauss) und eine ihrer Lieblingsrollen: Lucia di Lammermoor (Donnizetti). Viele ihrer Auftritte waren in München zum Beispiel im Staatstheater am Gärtnerplatz und im Prinzregententheater.

Nach besonderen Momenten in ihrer Karriere befragt, schilderte sie, wie sie 30 Minuten vor Beginn der Aufführung am Gärtnerplatz angerufen wurde, ob sie die Vertretung der Königin der Nacht, die ihren Auftritt vergessen hatte, übernehmen könnte. Sie sagte zu, sang sich im Taxi auf dem Weg zum Theater ein und rettete so den Abend. Sehr beeindruckend war es für sie auch, bei der Spanischen Nacht auf der Bühne des Theatrons in München vor 5000 Zuschauern zu singen und die Energie zu spüren, die zwischen Publikum und Sängerin entstand, ein magischer Moment.
Besonders berührt war sie auch von der Fanpost eines Jungen, der sie als Königin der Nacht gesehen hatte und gleich am nächsten Samstag zur nächsten Aufführung gehen wollte.

Wie schafft eine Opernsängerin es ein großes Opernhaus ohne Mikrofon zu beschallen, dass sie noch auf dem letzten Platz gehört wird, wollte Norbert Rink wissen. Maria Amiradis erklärte, wie wichtig hierfür die Übungen für das Zwerchfell, dem größten Atemmuskel, seien. Sie müssten 30 bis 45 min täglich wiederholt werden, um die Hochleistung der Opernpartien meistern zu können. Sie machte eine Übung vor und sorgte durch die Lautstärke für einen kurzen Schreckmoment bei den Zuhörern.

Im Laufe ihrer Karriere hat Maria Amiradis ihre Art zu singen verändert, sich von starren Regeln befreit und mit wachsendem Selbstvertrauen Neues gewagt, gewagt, so zu singen, wie sie singen möchte. Mit großer Leidenschaft erzählte sie von ihrem Weg, der immer mehr von starrer Technik zur Durchlässigkeit für die Musik geführt hat, von der Illusion einer Kontrollierbarkeit hin zum Loslassen und gefühlvollen gemeinsamen Musizieren mit dem Orchester und dem Publikum. Die Erkenntnis, dass dieses Loslassen nicht zu weniger, sondern zu mehr Präzision geführt hat, bestätigt diesen Ansatz.

Vor vier Wochen hat Maria Amiradis ihre aktive Karriere auf der Bühne beendet und baut zurzeit ein Gesangsstudio mit dem Namen Studio Vocale in Nürtingen auf. Neben einer schon bestehenden Gesangsklasse in München möchte sie auch eine in Nürtingen aufbauen. Als diplomierte Gesangslehrerin bietet sie Unterricht für sangesfreudige NürtingerInnen und junge Sänger und Sängerinnen an. Nach ihrer Ausbildung zur Atemtherapeutin wird sie in ihrem TherapieRaum am Wald Atempädagogik sowie Stimm- und Atemtherapie anbieten und hier die Kraft des Atems erlebbar machen.

Auf Bitten von Norbert Rink ging der Nachmittag im Kroatenhof mit einer kurzen Gesangseinlage zu Ende: Komm lieber Mai und mache von Mozart war eines der besagten Lieblingslieder als Kind und damit ein kleiner Rückblick und ein Dankeschön an ihre Mutter.