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02.07.19 - Kategorie: Samariterstift im Mühlenviertel

Radeln ist eine Riesenfreude


Die Initiative „Radeln ohne Alter“ hat im Samariterstift im Mühlenviertel eine Rikscha vorgestellt

Die bundesweite Initiative „Radeln ohne Alter“ wird in Deutschland immer größer und ist jetzt sogar in Tübingen im Mühlenviertel angekommen. Prominente wie Hape Kerkeling unterstützen die Gruppe, die sich dafür einsetzt, dass das Leben auch für Menschen im hohen Alter noch voller Freude ist. Deshalb werden von Ehrenamtlichen Rikscha-Ausfahrten mit Bewohnern von Alters- und Pflegeeinrichtungen organisiert. In diesen Tagen ist vor dem Samariterstift im Mühlenviertel eine solche Rikscha vorgestellt und von Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer Probe gefahren worden.

Dank der finanziellen Unterstützung seitens des Kreisseniorenrates, des Stadtseniorenrates und vieler anderer so auch der Stiftung „Zeit für Menschen“, konnte die Rikscha angeschafft werden. Im Samariterstift selbst ist extra im Keller ein Garagenplatz für das Gefährt bereitgestellt worden. Das E-Bike, das einen sehr starken Motor besitzt, hat zehn Gänge und kann mit einem relativ geringen Kraftaufwand gefahren werden. Allerdings verlangt das Chauffieren einer oder sogar von zwei Personen vorne in der Sitzwanne Geschick. Denn das Rad reagiert sofort. „Deshalb rate ich dazu, immer beide Hände am Lenker zu lassen“, sagt Michael Lucke, seinerzeit erster Bürgermeister der Stadt Tübingen und heute Vorsitzender des Kreisseniorenrates. Er hat sich dafür stark gemacht, dass solch eine Fahrrad-Rikscha nach Tübingen kommt.

Noch werden ehrenamtliche Fahrerinnen und Fahrer für die „Sitzwanne auf Rädern“ gesucht. „Doch das ist auch für den Fahrer ganz angenehm“, berichtet Boris Palmer, der es sich auch als Oberbürgermeister nicht nehmen ließ, das neue Gefährt probe zu radeln. Sein Fahrgast: die 85jährige Lisa Schneck. „Wissen Sie, in meinem Alter komm ich nicht mehr so viel rum, und ich hab‘ ja auch schon alles gesehen“, ist sie zunächst etwas skeptisch. Doch dann geht es mit leichtem Fahrtwind im Haar und einem Sekt in der Hand einmal um den Block. „Ach, da könnt’ ich mich dran gewöhnen. So ein Mittagsfährtle ist schon ganz schön.“

Eine Rikscha Fahrt ist ein Abenteuer, bei dem Eindrücke der Fahrt ebenso geteilt werden wie Lebensgeschichten. Die Fahrt bereichert beide, Pilot und Passagier. Es werden ja keine Radrennen gefahren, sondern gemütlich getourt. Die Touren wird übrigens Kai Hensel, Sozialpädagoge und ausgezeichneter Integrationspreisträger der Stadt Tübingen ausbaldowern. „Es müssen ja Fahrten sein, bei denen auch was zu sehen und zu erleben sein wird.“ Gemeinsam mit den beiden ersten ehrenamtlichen Fahrern Amr aus Ägypten und Amir aus Afghanistan kümmert er sich mit seiner ehrenamtlichen Fahrradwerkstatt im Quartier rund um das Samariterstift um die Instandhaltung und Wartung der Rikscha. Fahrrad und Fahrer sowie die Fahrgäste sind natürlich versichert und tragen zudem die neuesten schwedischen Fahrradhelme. Das sind „Halskrausen“ die dank Sensoren und Algorithemen die Bewegungsmuster des Radfahrers erkennen und sich im Fall eines Sturzes sofort aufblasen.

Es ist also an alles gedacht: Spaß, Freude, Abwechslung und lebendiges Miteinander bei größtmöglicher Sicherheit – jetzt fehlen nur noch Menschen wie Sabine Wirtz, die extra aus Reutlingen angeradelt kam, damit sie die neue Rikscha mal ausprobieren kann. Denn sie möchte ehrenamtliche Rikscha-Fahrerin werden. Wer wie sie Interesse hat, kann sich gern melden:
kai.hensel@mbh-jugendhilfe.de FON 0151 6545955