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04.09.18 - Kategorie: Neues aus der Samariterstiftung

Neuer Expertenstandard im Samariterstift Wiesensteig eingeführt


Beziehungsgestaltung in der Pflege von Menschen mit Demenz heißt der neue Expertenstandard. 

Dieser wurde im Zeitraum von Januar – Juli 2018 im neuen Samariterstift Wiesensteig modellhaft eingeführt. Wiesensteig war damit die einzige Einrichtung in Baden Württemberg, die hierfür vom DNQP (Deutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung) ausgewählt wurde. Expertenstandards sind wissenschaftsbasierte Pflegestandards, die gemeinsam von Vertreterinnen und Vertretern aus der Pflegepraxis und der Pflegewissenschaft entwickelt werden.

Das Samariterstift in Wiesensteig wurde im Sommer 2017 neu eröffnet. Im Haus befindet sich ein beschützender Bereich für demenziell erkrankte Menschen. Für die Hausleitung Frau Ines Göring war es, trotz vieler Herausforderungen bei der Neueröffnung wichtig, gerade diesen Menschen von Anfang an, die bestmögliche Betreuung anbieten zu können. Die Projektgruppe bestand aus der Hausleitung, der Hauswirtschaftsleitung, einer Pflegefachkraft, zwei Betreuungsassistentinnen, einer Alltagsbetreuerin, einer Theologin, einer Angehörigen sowie der Projektleitung. Die Gruppe traf sich im 14 tägig für ungefähr 2 Stunden. Durch die Teilnahme der Angehörigen einer Bewohnerin, konnte „die Sichtweise von außen“,  regelmäßig reflektiert werden. Die berufsgruppenübergreifende Zusammensetzung der Arbeitsgruppe ermöglichte es, die jeweiligen Arbeitsgebiete zu betrachten und zu verknüpfen. 

Ziel des Expertenstandards ist es, die Wünsche und Bedürfnisse der Menschen mit Demenz zu erkennen. Wesentlicher Baustein ist die person-zentrierte Pflege nach T. Kitwood. Demnach ist es wesentlich, Menschen mit Demenz so gut wie möglich in den Alltag einzubeziehen, zu beschäftigen und zu fördern. Dadurch wird es möglich, den Menschen mit Demenz einen Teil ihrer Identität zurückzugeben. Eine Maßnahme hierbei war die Erstellung von Erinnerungsbüchern, diese Arbeit wurde durch die Alltagsbetreuerin und die Betreuungsassistentinnen unterstützt. Eine schwer demenzerkrankte Bewohnerin, welche kaum noch kommuniziert, erkannte auf den alten Bildern ihre Eltern wieder und konnte dies auch verbal benennen – eine Situation die sowohl für den Ehemann als auch für die betreuende Kraft ein überwältigendes Erlebnis war. Im weiteren Verlauf der Betreuung wurde die Bewohnerin auch ruhiger und zugänglicher.

In den Arbeitsgruppensitzungen wurden weitere Möglichkeiten diskutiert und umgesetzt, um die oben genannten Ziele für alle Bewohner und Bewohnerinnen mit Demenz zu erreichen. Neben den Erinnerungsbüchern sind regelmäßige Fallbesprechungen obligatorisch, um auf Veränderungen frühzeitig reagieren zu können. Der Expertenstandard spricht hier von „fluktuierenden Zuständen“ der Menschen mit Demenz. Ein weitere Baustein waren die Erstellung von strukturierenden Tagesabläufen, sowohl in Pflege und Betreuung, um den Menschen mit Demenz, Sicherheit und Zuverlässigkeit bieten zu können. Neben der Strukturierung ist es wichtig, Veränderungen zuzulassen, wenn beispielsweise die Grundpflege verweigert wird. Möglicherweise ist dies durch eine andere Person oder zu einem späteren Zeitpunkt möglich. Diese Flexibilität bedarf eines gut funktionierenden, berufsgruppenübergreifenden Teams. Diese Erfahrung wurde auch im Samariterstift in Wiesensteig gemacht. Durch ein gutes Miteinander in Pflege und Betreuung können die Bedürfnisse der Menschen mit Demenz besser erkannt und berücksichtigt werden. 

Zum Abschluss der Implementierung des neuen Expertenstandards fand am 11. Juli 2018 ein gemeinsames Kaffeetrinken der Bewohnerinnen und Bewohner und der Arbeitsgruppe statt.