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28.05.18 - Kategorie: Samariterstift Münsingen, Samariterstift Grafeneck

Konfirmation in Altensteig: Inklusion groß geschrieben


Die diesjährige Konfirmation in Altensteig war eine ganz normale Konfirmation – und doch dank Marie Fünfgeld für alle besonders spannend.

Allen gelang es, das behinderte Mädchen so zu integrieren, dass es am Unterricht teilhaben konnte und manch einen der Mit-Konfis zum Staunen brachte. Eine Inklusions-Fachkraft begleitete die Konfigruppe über das ganze Jahr hinweg und baute, wo notwendig, Brücken. Gefördert wurde der inklusive Unterricht über den Fonds Inklusion leben.

Marie Fünfgeld,lebt seit ihrer Geburt mit großen körperlichen Einschränkungen, kann nicht reden und nur sehr eingeschränkt sehen und hören und benötigt den Rollstuhl, um mobil zu sein. Sie hat besondere Gaben. Sie erkennt Rhythmus und setzt ihn sogleich klatschend und rasselnd um. Und sie kann zu erkennen geben, ob es ihr gut geht, oder ob sie unzufrieden ist. Ihre Familie hatte sich gefragt, ob ein Konfirmandenunterricht mit ihr für sie und für die anderen sinnvoll sei. Pfarrer Klaus-Peter Lüdke ermutigte die Familie und beantragte mit seiner Kirchengemeinde Gelder für die Inklusionsbegleitung aus dem Aktionsplan Inklusion der Evangelischen Landeskirche und Diakonie in Württemberg. Er dachte dabei an Bettina Dörscheln, eine Kinderkrankenschwester. Sie freundete sich schnell mit Marie an. Körperlich war es für sie eine große Herausforderung. Doch sie merkte rasch, wie wohl sich Marie mit ihr im Konfirmandenunterricht, im Gottesdienst oder auch – stundenweise – auf der Konfifreizeit fühlte. Einige der Konfirmandinnen und Konfirmanden kannten sie noch aus der Kinderkirche. Doch für viele war Marie die erste Begegnung mit einem Menschen mit schweren Behinderungen. Anfangs schreckten einige zurück, wenn Marie tastend und greifend Kontakt zu ihnen suchte. Doch nach und nach fanden sie eine gemeinsame Ebene guten und fröhlichen Miteinanders.

Den Großteil der Konfirmation von der Begrüßung bis zum Segen inklusive der Predigt hatten die 28 Konfirmandinnen und Konfirmanden selbst vorbereitet und vor über 800 Gottesdienstbesuchern gehalten. Für die Predigt schlupften sie dazu in die Rolle von Augen- und Ohrenzeugen des irdischen, gestorbenen und auferstandenen Jesus. Integrierte Anspiele und eine evangelische Marienprozession sorgten für Abwechslung auch für Marie, die die Bedeutung dieses Tages für sie spürte. Zu Lächeln gab es auch etwas: Der Barmherzige Samariter kam dem gespielten Pfarrer und den Konfirmandinnen zuvor, die achtlos am Verletzten vorbeigehen wollten. Oder war es ein Lernerfolg aus dem inklusiven Unterricht? Berührt waren die Gottesdienstbesucher davon, dass Marie Fünfgeld – die meisten kennen sie aus dem Rollstuhl – mit der Gruppe konfirmiert werden konnte. Dank helfender Hände konnte sogar Maries Rollstuhl draußen stehen bleiben. Das hatten selbst ihre Eltern nicht für möglich gehalten. Inklusion war auch über Marie hinaus im Konfirmandenunterricht groß geschrieben worden: Die Konfirmandinnen hatten Tastbilder für einen Gruppenraum in den neuen Räumen der Bruderhausdiakonie in Altensteig gebastelt. Dazu hatten die die Bruderhausdiakonie vor Ort dreimal besucht und mit Mitarbeiterinnen und Bewohnern gemeinsam gefeiert. Eine Fortsetzung dieses Projektes mit dem nachfolgenden Jahrgang wurde gleich vereinbart. Und Marie hat nun mit ihrer Inklusionsbegleiterin auch nach dem Aktionsplan eine gute Freundin, die ihr bleibt und in ihrem Konfirmationsjahrgang viele Gleichaltrige, die nun auf sie zugehen. Pfarrer Klaus-Peter Lüdke