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13.10.15 - Kategorie: Neues aus der Samariterstiftung

Leben im Grünen

Pflege-Wohngemeinschaft „Alte Weberei“ in Tübingen eingeweiht


Frank Wößner begrüßt die Gäste

Senioren der Wohngemeinschaft stimmen Lieder an

Der gemeinsame Garten im 1. Stock

Die erste Bürgermeisterin Tübingens Dr. Christine Arbogast

Eckhard Rahlenbeck

Schon allein die überraschten Gesichter der Gäste waren es wert: Von der Straße her betritt man das neu gebaute, eher unauffällige Wohnhaus und geht in den ersten Stock. Dort betritt man eine Wohnung – und steht plötzlich vom Wohnzimmer aus in einem Garten. Im Quadrat angeordnet bilden viele Wohnungen einen gemeinsamen, grünen Innenhof mit Terrassen und Wegen, die zueinander führen. So ist die jüngst eingeweihte Pflege – Wohngemeinschaft nicht nur eine Wohngemeinschaft für sich, sondern steht im regen Austausch zu den Familien im Haus. Von den rund 40 Nachbarn sind allein neun Kinder, die beiden jüngsten gerade sechs Wochen alt. Und abends wird gemeinsam gesungen, Kinder wie alte Menschen, ein Abendlied.

Die rund 60 Gäste zeigten sich bei der Einweihung sehr angetan. In seiner Begrüßung betonte der Vorstandsvorsitzende Frank Wößner, dass die Samariterstiftung das erste Unternehmen in Württemberg ist, das dieses Angebot nach der Verabschiedung des neuen Wohn-, Teilhabe- und Pflegegesetzes (WTPG) im Mai 2014 anbieten kann. Nach der Eröffnung einer Wohngemeinschaft in Pfullingen im vergangenen Jahr hat die Stiftung nun dieses Angebot auch auf Tübingen erweitert. 

Bis vor wenigen Jahren konnten Menschen mit Demenz entweder zu Hause oder in Pflegeheimen betreut oder gepflegt werden. Die ambulant betreute Wohngemeinschaft schließt nunmehr eine Lücke und erweitert die Möglichkeiten der Versorgung von Betroffenen.  In Tübingen ist die „Ambulant Betreute Wohngemeinschaft“ ein innovatives Angebot in einer Mehr-Generationen-Hausgemeinschaft auf dem Gelände der ehemaligen Frottierweberei Egeria. Sie richtet sich vor allem an Menschen mit demenzieller Erkrankung, auch im jüngeren Alter.

Die erste Bürgermeisterin Tübingens, Dr. Christine Arbogast lobte in ihrem Grußwort das gelungene Angebot. „Es wird hoffentlich das erste, aber nicht das letzte in Tübingen sein. Wir brauchen die Weiterentwicklung von neuen Wohnformen in verstärkter Form.“

Einer der wesentlichen Initiatoren der Bauherrengemeinschaft,  Eckhard Rahlenbeck, schilderte in bewegenden Worten, wie bereits 2007 die Überlegungen begannen. „In einer „Werkstatt der Wünsche“ wurde aufgeschrieben, wie wir in Zukunft persönlich leben und wohnen wollen“. Nach vielen Umwegen kamen die konkreten Planungen in Fahrt. „Wir waren die ersten, die sich bei Cord Soehlke im Bauamt erkundigten und erfuhren, wie in Lustnau aus der Vision Wirklichkeit werden kann“, erinnert sich Rahlenbeck. "Unser künftiges Zuhause soll mehr sein als nur eine Behausung, das war und ist unser Konzept. Wir wollen Menschen unterschiedlicher Generationen ein Wohnen und Wirken in gelebter Nachbarschaft ermöglichen und aktives, verantwortliches und erfülltes Miteinander mit individueller Lebensgestaltung verbinden.“ Auch an die vierte Lebensphase wurde gedacht. Wenn die Verwandtschaftskreise schrumpften, wenn nahe Angehörige immer rarer würden, wenn eine soziale Netzwerkarmut sich ausbreitete, weil jetzt schon in vier von zehn Haushalten in Deutschland nur noch eine Person lebe, dann sei eine zukunftsfähige Gesellschaft auf stabile Strukturen der Begegnung und Zuwendung angewiesen. „Darum ist in unserem Haus die Pflegeeinrichtung in unserer Hausgemeinschaft integriert.“