ERMUTIGUNG im Mai

Gott fügt alles wunderbar 

Ein König hatte einen Minister, der bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit sagte: "Gott fügt alles wunderbar." Nach einiger Zeit hatte der König diesen Satz so oft gehört, daß er ihn nicht mehr ertragen konnte. Die beiden sind auf der Jagd. Der König schießt einen Hirsch. Minister und König sind hungrig, machen Feuer, grillen den Hirsch, der König beginnt zu essen und schneidet sich in seiner Gier einen Finger ab. Der Minister sagt auch dieses mal: "Gott fügt alles wunderbar." Jetzt reicht es dem König. Wütend entläßt er den Minister aus seinen Diensten und befiehlt ihm, sich fortzuscheren. Er wollte ihn nie wiedersehen. 

Der Minister geht. Der König, vom Hirschbraten gesättigt, schläft ein. Wilde Räuber, Anhänger der Göttin Kali, überfallen und fesseln ihn, wollen ihn ihrer Göttin opfern und – verspeisen. Im letzten Moment bemerkt einer der Kalianhänger den fehlenden Finger. Die Räuber beratschlagen sich und befinden: "Dieser Mann ist unvollkommen. Ihm fehlt ein Körperteil. Unserer Göttin darf nur Vollkommenes geopfert werden." Sie lassen ihn laufen. 
Der König erinnert sich an die Worte des Ministers: "Gott fügt alles wunderbar" und begreift: Genau so ist es. Auch in diesem Fall. Er fühlte sich schuldig, weil er den Minister verbannt hat, und läßt ihn suchen. Nach langer Zeit wird er gefunden. Der König entschuldigt sich und bittet ihn, wieder in seine Dienste zu treten. Der Minister entgegnete: "Du brauchst dich nicht zu entschuldigen. Ich bin dankbar, daß du mich fortgeschickt hast. Mich hätten die Räuber geopfert. Mir fehlt kein Finger. Gott fügt alles wunderbar."

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Eingereicht von Anneliese Wolf, tätig in der Verwaltung und am Empfang des Samariterstift Leonberg. Sie schreibt dazu: 

"Vor circa 30 Jahren erhielt mein Bruder die Diagnose Multiple Sklerose - er war damals 27 Jahre alt. Er musste seinen Beruf aufgeben und seine Ehe, die unter keinem glücklichen Stern stand, zerbrach endgültig. Irgendwann hörte ich ihn immer öfter den Satz sagen: "Gott fügt alles wunderbar." In Anbetracht seines Schicksals erschien mir dieser Spruch nicht gerade sehr passend und das sagte ich ihm auch.Doch er widersprach mir und zählte all das auf, was sich seit seinem Schicksalsschlag alles zum Positiven verändert hat:Er lebt jetzt in einer glücklichen Partnerschaft, hat im sozialen Bereich eine ihn erfüllende Arbeit gefunden. Er hat eine Lachyogagruppe gegründet und er hat sein großes Talent wiederentdeckt - die Musik. Er unterrichtet und gibt Konzerte. Es ist ihm erspart geblieben im Rollstuhl zu landen. Für all das ist er Gott dankbar. Dann sagte mir mein Bruder, dass er sich in schwierigen Situationen an die Geschichte erinnert "Gott fügt alles wunderbar". Diese Geschichte vermittelt Gottvertrauen und Gelassenheit."