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"Den Menschen Halt geben"

Was Zivis bei ihrer Arbeit mit Psychisch Kranken auffällt

Was die Zivis bei den Profis beeindruckt: Die Sicherheit und Erfahrung im Umgang mit psychisch behinderten Menschen, ihre Kompetenz, angemessen auf schwierige Situationen einzugehen. Es ist beeindruckend, wie sie immer wieder Impulse geben und welche Geduld sie im Umgang mit den Menschen haben. Sie können den behinderten Menschen Mut, ihnen sicheren Halt geben. Die Mitarbeitenden behandeln ihre Schützlinge als gleichwertig, nicht etwa wie kleine Kinder. Sie sind offen, freundschaftlich und respektvoll. Mit vielen sind sie auch und per du.

Was die größten Herausforderungen sind: Das Thema psychische Erkrankung kennen Schultz und Ruder teilweise aus dem eigenen Bekanntenkreis. Sie halten ihre Tätigkeit für interessanter als andere Zivildienststellen. Die Herausforderung ist aber, sich irgendwann gegenüber den kranken Menschen abzugrenzen. Als nicht einfach finden sie es, zuzuhören und zu motivieren. Am Anfang stand die Frage: „Wo stehe ich, was ist meine Aufgabe, was wird von mir gefordert?“ im Vordergrund.

Was für die Zivis das Besondere bei Ihrer Tätigkeit ist: In der Wohngruppen hat man einen großen Freiraum, lernt die Leute in ihrer Freizeit kennen, geht mit ihnen einkaufen, plant gemeinsam den Tagesablauf, putzt und kocht. In der Gärtnerei steht die Zusammengehörigkeit im Vordergrund. Toll ist, dass man am Ende des Tages sieht, was alle gemeinsam geleistet haben. Die – teils sehr harte – Arbeit an der frischen Luft fördert das Gemeinschaftsgefühl. Es herrscht ein großes Wir­-Gefühl. Den Beschäftigten geht es gut, denn die Arbeit dort macht einfach „glücklich“.

Wie sie „Qualität im Kleinen“ erleben: Beeindruckend ist für die Zivis die Fülle an Angeboten, die Tatsache, dass die Leute haben die Möglichkeit haben, ihren Fähigkeiten entsprechend zu arbeiten. Diese bekommen dabei das Gefühl, etwas zu leisten, die Arbeit gibt ihnen Halt. Jeder Mitarbeitende hat aber auch die Chance, „aufzusteigen“, eine Berufsausbildung zu absolvieren und im „normalen“ Berufsleben Fuß zu fassen. Die Vielfalt der Angebote ist für Schultz und Ruder ein Merkmal für Qualität. Etwa die Möglichkeit, eine Reha zu absolvieren, oder die Chance, an Außenarbeitsplätzen in einer Firma tätig zu sein. Aber auch die Freizeit, wenn Gruppen auf Urlaub gehen spricht für Qualität. Und die Tatsache, in einer „normalen“ Gegend zu wohnen, gibt den Menschen nicht das Gefühl, „anders“ zu sein.

Was ihnen wichtig geworden ist: Die Erfahrung, was Lob bei Menschen bewirken kann, denn positive Bestärkungen helfen im Leben. Schultz und Ruder ist es wichtig, die Menschen zu achten, unabhängig davon, welche Krankheit sie haben. Durch die Erfahrung in Obersontheim können sie sich selbst, ihr eigenes Leben wieder neu betrachten und leben nicht mehr so „Ich-bezogen“. Ein Perspektivenwechsel, durch den man das eigene Leben auch einmal aus einer anderen Position heraus betrachten kann.

Was sie mitbringen, das nur Zivis mitbringen können: Der Altersunterschied zu den jüngeren Bewohnern ist nicht so groß: so kommen ähnliche Interessen und gemeinsame Hobbies zusammen. Schultz und Ruder erleben sich als besonders unvoreingenommen gegenüber den psychisch kranken Menschen, haben durch ihre Position mehr Zeit, als die Hauptamtlichen. Gerade in Zeiten zunehmender Dokumentation werden Zivis nicht selten zu den ersten Ansprechpartnern. Hinzu kommt, dass es zwischen Betreuten und „Zivis“ oft lockerer zu geht auf der Beziehungsebene und das Verhältnis in der Regel sehr gut ist. Aber es besteht die Gefahr besteht, dass man zu kumpelhaft wird und sich auf der anderen Seite klar abgrenzen muss.

Jörg Schultz hat eine Ausbildung zum IT Systemelektroniker und anschließend im IT-Gymnasium Schwäbisch Hall das Abitur gemacht Nach dem Zivildienst möchte er Nachrichtentechnik bei der Deutschen Telekom studieren. Auch für einen Aufenthalt in den USA läuft bereits eine Bewerbung. Schutz spielt Fußball, liebt Wakeboarding und Snowboard. Er spielt Gitarre und mag Musikfestivals. Nach Obersontheim kam er durch den Tipp eines Freundes.

Peter Ruder machte vor kurzem sein Abitur im Gymnasium St. Michael. Nach dem Zivildienst will er Physik studieren. Der aus Kasachstan stammende Ruder spielt Volleyball und Tennis und kommt mit dem Rad zur Arbeit. Er spielt Gitarre und ist Mitglied im Obersontheimer Indiaka-Team. Auch er kam über einen Bekannten nach Obersontheim und findet die Nähe zum Wohnort toll.


  

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