Online Spenden

Köstlicher Cafégenuss
Besuchen Sie jetzt das Cafe Samocca!
Bundesfreiwilligendienst
Wir suchen Sie für den neuen Bundesfreiwilligendienst in unseren Einrichtungen! Sie hätten bisher Zivildienst gemacht und möchten sich, auch wenn es bald keine
Vielversprechendes Jugendprojekt
fördert Dialog der Generationen
Unsere Fachschulen ...
.. . garantieren eine profunde Altenpflege-Ausbildung

Heilerziehungspfleger/in: „Ein toller Beruf“

Die Menschen mit Behinderung zu begleiten, ihnen zu assistieren und dabei zu größtmöglicher Selbständigkeit und Selbstbestimmung zu verhelfen – so lässt sich die Aufgabe eines/r Heilerziehungspflegers/in zusammenfassen. Wie dies geschieht, schildert der folgende Bericht.

„Bei uns ist alles geboten. Hier ist kein Tag wie der andere,“ erklärt Georg Schrode, während er den Frühstückstisch deckt. Um 6.30 Uhr hat er heute seinen Dienst mit der Weckrunde begonnen, um jedem Bewohner einen guten Morgen zu wünschen und etwas Zeit zu widmen. Bei insgesamt elf Personen – neun Männern und zwei Frauen im Alter zwischen 30 und 75 Jahren – dauert das schon einige Zeit. Georg Schrode ist Heilerziehungspfleger und arbeitet in der Wohngruppe Hohen Urach des Samariterstift Grafeneck. Früher war die Wohngruppe im Schloss untergebracht. Seit Januar 1999 befindet sie sich in einem der fünf neuen Wohnhäuser auf dem Gelände des Samariterstifts, die Platz für insgesamt 55 Menschen mit geistigen, körperlichen oder psychischen Behinderungen bieten. Beim Umzug in die neuen Häuser gab es neue Gruppenzusammensetzungen. Es war natürlich nicht immer einfach allen Wünschen und Ansprüchen gerecht zu werden. Die neuen Räumlichkeiten, für jeden der Hausbewohner ein eigenes Zimmer mit Dusche und WC, fördern Selbstbestimmung und eine größere Selbständigkeit in der Versorgung der eigenen Räumlichkeiten. Die Reduzierung der Gruppengröße und das gemeinsame Wohnen in einem „Doppelhaus“ hat bei der Mehrzahl der Bewohner das Gemeinschaftsgefühl gestärkt. Auch die Mitarbeiter fühlen sich in der veränderten Arbeitsumgebung wohl. „Wir haben hier ein absolut schönes Arbeitsklima, sogar noch besser als vorher“, freut sich Georg Schrode.

Die meisten Bewohner hier brauchen Hilfe bei der Körperpflege und beim Anziehen, erzählt Susanne Pettenon, während sie das Pflegebad vorbereitet. Sie ist im zweiten Jahr der Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin. Etwa ab 6.30 Uhr erscheinen die ersten Frühaufsteher. “Beim Frühstück geht es manchmal hektisch zu“, sagt Georg Schrode, als er die Portionen abzählt und den Bewohnern das Essen mundgerecht zubereitet. Manche erhalten Schon- oder Diätkost. Darauf müssen wir genau achten. Die Bewohner, die in der Werkstatt an der Schanz in Münsingen arbeiten, beeilen sich, um rechtzeitig an der Bushaltestelle zu sein.

Um ca. 8.45 Uhr gehen 3 Bewohner ins Nachbargebäude in die Förder- und Betreuungsgruppe, die von einem Heilerziehungspfleger und einer Sozialpädagogin geleitet wird. In dieser Gruppe werden kreative und handwerkliche Angebote gemacht, des weiteren auch Ausflüge, Spiele, etc.. Hier kann auf die unterschiedlichen Fähigkeiten der Bewohner gezielt eingegangen werden. Übergeordnetes Ziel ist, den Menschen dort Kompetenzen zu vermitteln, die sie bei einer Beschäftigung in der WfbM brauchen.

Für die Rentner auf unserer Wohngruppe werden im Rahmen der tagesstrukturierenden Maßnahmen hauswirtschaftliche Tätigkeiten durchgeführt und u.a. Spaziergänge, Singen, Spiele, Werken, usw. an.
Gleichzeitig ist „Hohen Urach“ die Anlaufstelle für alle Bewohner der Nachbargruppen, die nicht bei der Arbeit sind, da diese Wohngruppe durchgehend besetzt ist.

Die Mitarbeiter erledigen auch den Haushalt, räumen die Küche auf, wischen ab und zu den Boden, säubern das Pflegebad oder versorgen die Wäsche. Die Bewohner werden natürlich so weit wie möglich in diese Tätigkeiten mit einbezogen. Die Routinearbeiten nehmen aber leider viel Zeit in Anspruch, erklärt Georg Schrode im Hinblick auf den Tagesablauf. „Allerdings finde ich es wichtig, die Küche auch mal liegen zu lassen und sich lieber Zeit für einen Bewohner zu nehmen, der gerade Hilfe oder Aufmerksamkeit braucht“, ergänzt seine Kollegin. Zu den Aufgaben der Mitarbeiter gehört es auch, die Krankheiten, Behandlungen oder Bedürfnisse der einzelnen Bewohner genau zu dokumentieren. Regelmäßig finden bewohnerbezogene Besprechungen unter Begleitung des Fachdienstes (Psychologe, Heilpädagoge, Ergotherapeutin) statt, bei denen die Angelegenheiten der jeweiligen Person ausführlich besprochen werden. Es wird angestrebt die Betreffenden so weit wie möglich mit einzubeziehen. Die Ergebnisse fließen dann in die Betreuungsplanung ein. Die Dokumentation umfasst u.a. Körperpflege und Mobilität, Behandlungspflege, besondere Vorkommnisse, medizinische Versorgung und ein sogenanntes Notfallblatt, das bei Bedarf schnell entnommen werden kann. Die Einnahme von verschriebenen Medikamenten wird kontrolliert, um sicher zu gehen, dass jeder Bewohner die richtigen Tabletten in richtiger Dosierung zur rechten Zeit einnimmt, so Georg Schrode. Die Mitarbeiter begleiten die Bewohner auch zu Arztbesuchen, unterstützen und beraten sie bei Einkäufen und verwalten das Taschengeld, da nicht alle gleich gut mit Geld umgehen können.

Als Heilerziehungspfleger müsse man die individuellen Vorlieben, Bedürfnisse, Entwicklungen und Persönlichkeit der Bewohner erkennen und respektieren, sagt Susanne Pettenon. Wir sind da, wenn die betreuten Menschen ein Problem haben, Begleitung bei der Bewältigung des Alltags brauchen oder grundsätzlich auf fremde Hilfe angewiesen sind. Ebenso jedoch müsse Selbständigkeitspotentiale erkannt und gefördert werden. „Das Schöne an unserem Beruf ist, dass nichts stehen bleibt, sondern stets eine Entwicklung stattfindet und Fortschritte – wenn auch oft ganz kleine – sichtbar werden“, sagt Georg Schrode. So hatte etwa ein Bewohner sehr viele Ängste und Zwänge und blieb immer nur in der Wohngruppe. „Heute geht er nach Münsingen in die Werkstatt zur Arbeit.“

„Der Beruf an sich ist toll“, schwärmt der Heilerziehungspfleger. Um aber allen Anforderungen bei der so genannten Assistenz der zu betreuenden Menschen gerecht zu werden, bedarf es einer fundierten Ausbildung. Durch den jeweils vierwöchigen fachpraktischen Teil in Grafeneck, der stets mit dem zweiwöchigen Blockunterricht der Schule wechselt, erhalte man „sehr gute Einblicke“ in den Berufsalltag und die Arbeitsbedingungen. Heilerziehungspflege umfasst sowohl den Umgang mit Menschen mit geistigen Behinderungen als auch mit Menschen mit psychischen Behinderungen.

Die wichtigste Voraussetzung ist für mich, sich in andere Menschen hineinversetzen zu können und sich für deren Empfinden zu sensibilisieren“, betont Frank Schrade. Der Schüler im dritten Jahr der Ausbildung arbeitet in der Außenwohngruppe in der Hollenbergstraße in der Gemeinde Gomadingen. Hier wohnen 12 Bewohner. „Der Kontakt mit dem Menschen ist für mich das Wichtigste,“ begründet der gelernte Maler und Lackierer seinen Berufswechsel. Im Vergleich zu seiner früheren Tätigkeit sei „der Umgang hier allgemein anders, irgendwie menschlicher. Im Sozialbereich ist jeder gleich, und ich erlebe mehr Kompromissbereitschaft“, erklärt der 28-Jährige.

Die Mischung aus alten und jungen, männlichen und weiblichen, sehr schwachen und relativ selbständigen Bewohnern macht die Arbeit reizvoll und schwierig zugleich. „Es kommt immer auf die Konstellation der Bewohner und Mitarbeiter und die Routine im Team an, ob es mit der Zusammenarbeit klappt“, gibt Frank Schrade zu bedenken. Im Alltag einer Wohngruppe gibt es natürlich manchen Konflikt und zwischenmenschliche Missverständnisse. Die Probleme zwischen den Bewohnern zu spüren und einen Kompromiss zu finden, betrachtet der Schüler ebenso als tägliche Herausforderung wie die Schwierigkeit, keinen zu übergehen, etwa bei der Auswahl des abendlichen Fernsehprogramms. „Als Mitarbeiter muss man eingespielte Machtverhältnisse erkennen und soziale Beziehungen durchschauen“, betont Frank Schrade und fügt hinzu, Schüler hätten „eine ziemliche Verantwortung“, auch wenn stets ein leitender Mitarbeiter in Rufbereitschaft sei. „Das Instrument unserer Arbeit bin ich selbst. Wie ich mich einbringe, mein Verhalten und Wirken auf Andere – das muss ich hinterfragen und reflektieren. Positiv bei der Ausbildung sei zwar, dass die persönliche Meinung viel gefragt ist – jedoch ergebe sich daraus das Problem, dass Fachliches und Persönliches vermischt werden.

„Heilerziehungspfleger/Innen orientieren sich am Lebenslauf der einzelnen Person, sowie auch an der lebensweltlichen Situation der behinderten Menschen. Sie reflektieren Entwicklungsperspektiven und Handlungsabsichten immer im Dialog mit ihrem jeweiligen Gegenüber und unterstützen die Menschen beim Erlangen einer größtmöglichen Selbständigkeit“, fasst Klaus Batschkowski, Mentor der beiden Schüler, das Berufsbild zusammen. „Zu dieser ganzheitlichen Hilfe gehören sowohl pflegerische als auch sozialpädagogische Arbeiten.“ Aufgrund seiner jahrelangen Erfahrung in der Schülerbetreuung weiß er, dass „in diesem Arbeitsfeld von Schülern wie Mitarbeitern sowohl ein Auseinandersetzen mit der eigenen Persönlichkeit als auch fachliche und soziale Kompetenz verlang wird“. Als Mentor ist Klaus Batschkowski nicht nur verantwortlich für die Realisierung der fachpraktischen Ausbildungskonzeption in Grafeneck, sondern fungiert auch als Ansprechpartner für die Schüler.

Zugangsvoraussetzung für die insgesamt vierjährige Vollzeit-Ausbildung ist entweder ein Realschulabschluss oder die Kombination aus Hauptschulabschluss und Berufsausbildung. Über die Aufnahme entscheidet ein Auswahlverfahren. Ausbildung selbst setzt sich aus einem einjährigen Vorpraktikum bzw. dem Zivildienst und einer dreijährigen Schulzeit zusammen. Weil die Arbeit in der Behindertenhilfe vom Einsatz multiprofessioneller Teams geprägt ist, lernen Heilerziehungspfleger dabei die wichtigsten Grundlagen aller relevanten Fachgebiete kennen – u. a. Pädagogik und Heilerziehungslehre, Psychologie und Soziologie, Medizinische Lehre der Behinderungen, Gesundheits- und Krankheitslehre, Praxis- und Methodenlehre, Religionspädagogik/Ethik, Pflege, Werken und bildhaftes Gestalten, Spiel, Musik, Rhythmik, Sport und Hauswirtschaft. Bei rund 1400 Stunden Theorie und mehr als 500 Stunden Unterricht im praktischen Teil kann freilich nicht jedes Fach bis in Detail behandelt werden. Die Atmosphäre im Unterricht und die Art und Weise der Stoffvermittlung ist „auf jeden Fall lockerer und offener“ als in ihrer ersten Ausbildung, stellt Susanne Pettenon fest.

Ein wesentlicher Teil der fachpraktischen Ausbildung sind neben Praktika und Hospitationen die so genannten Praxisvorhaben in den einzelnen Fächern. Ein sechswöchiges Pflegepraktikum, ein zweiwöchiges Verwaltungspraktikum sowie ein zweiwöchiges Praktikum am Arbeitsplatz der Behinderten Menschen, ergänzen den praktischen Ausbildungsteil.

Manuela Sautter, Susanne Pettenon, Klaus Batschkowski 
 


  

Suche
Aktuelles von der Jungen Samariterstiftung
 

"Das sind alles ganz normale Menschen." Auszubildende von IST- Metz arbeiten 5 Tage in der WfbM Wendlingen (klick hier).

 

Auszubildene der HV auf Hospitationstour in Grafeneck (mehr)

 

 
 
 
 
 
 
Auszubildende der PAUL HARTMANN AG absolvieren Sozialpraktikum (klick hier).