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Ein vielfältiges Spannungsfeld

Die bestmögliche Lebensqualität unserer Bewohner fördern und erhalten

Liebe geht ja bekanntlich durch den Magen. Wir wollen, dass die Bewohnerinnen und Bewohner unserer Einrichtungen davon etwas spüren, davon leben und zehren können. Ernährung gehört zur Pflege mit dazu – Ernährung ist ja nicht nur notwendig, um Leben zu erhalten, sondern ist ja auch immer eine Form der Versorgung und der Zuwendung, auch eine Form der Wertschätzung und Selbsteinschätzung.

Wir stehen als für die Pflege ausgebildete und für die Pflege zuständige Menschen in unseren Häusern für eine personengerechte und sachgerechte Ernährung. Es geht dabei immer auch um die Frage: wie individuell muss und kann die Ernährung gestaltet sein – bis hin zur Rücksicht auf und Einbeziehung der religiösen und kulturellen Herkunft und Ausrichtung eines Patienten. Damit hat sich schwerpunktmäßig der erste Fachtag zum Thema Ernährung schon befasst.

Heute soll es schwerpunktmäßig um einem Spezialfall der Ernährung gehen – um das Thema Mangelernährung.
Wir stehen dabei in einem vielfältigen Spannungsfeld: Im Spannungsfeld zwischen Gesetzgeber und Kostenträger, dem (budgetverantwortlichen) verschreibungspflichtigen Arzt, dem tatsächlichen (oder mutmaßlichen) Willen, dem Selbstbestimmungsrecht und den psychischen, somatischen, auch religiös-spirituellen Bedürfnissen unserer Bewohner, dem Gewissen von Mitarbeitern und dem Heimvertrag, den (manchmal auch interessengeleiteten) Ansichten von Angehörigen, Bevollmächtigten oder gesetzlichen Betreuern.

Wir müssen wissen, dass beispielsweise die Ernährung auch über das Dekubitus- und Sturz-Risiko entscheidet. Auch liegende Patienten haben einen erhöhten Kalorienbedarf, wenn sie beispielsweise mit einer Infektion zu kämpfen haben. Wir müssen einschätzen können, wie man auf Schluckbeschwerden reagieren muss, wenn der Schluckreflex verlangsamt oder nahezu gelähmt ist. Der Einsatz von „künstlicher“ und enteraler Ernährung muss mit dem Arzt besprochen werden.

Jedenfalls darf es nicht so sein, dass dies nur eine Frage des Budgets ist, und es darf nicht so sein, dass nur alt werden kann, wer das nötige Geld dafür hat! Bei all dem sind wir als Pflegende und für die Pflege Zuständige nicht die Entscheider, aber wir sind die Ausführenden. Dabei wollen wir in jedem Fall die bestmögliche Lebensqualität unserer Bewohner fördern und erhalten. Dieser ethische und im christlichen Menschenbild verankerte Anspruch darf in dem genannten Spannungsfeld nicht untergehen.

Es geht in dem allem also hier nicht nur um die Quantität und Qualität der Ernährung, um die Art der Zubereitung und der Zuführung der Ernähung, um die Lösung von technischen oder administrativen Problemen und Aufgabenstellungen. Insofern bin ich froh, dass wir dieses Thema ,bei diesem Fachtag in all seinen Aspekten und Verästelungen bedenken und besprechen und vertiefen können.

Dr. Hartmut Fritz, Vorstandsvorsitzender der Samariterstiftung



  

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