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20.03.18 - Kategorie: Neues aus der Samariterstiftung, Samariterstift Obersontheim

Unser Name macht uns einzigartig

Gedenkfeier in Obersontheim für die vier Euthanasie-Opfer, die in Hadamar gestorben sind


Vier Frauen, die im Samariterstift Obersontheim gelebt hatten, sind am 4. April 1941 in der hessischen Tötungsanstalt Hadamar von den Nazis ermordet worden: Marie Heinrich aus Rettersburg (ehemals Kreis Waiblingen), Rosine Hummel aus Sondelfingen bei Reutlingen, Anna Katz aus Isingen (ehemals Kreis Sulz am Neckar) und Emma Wahl aus Strümpfelbach bei Waiblingen. Ihnen zum Gedenken ist am 14. März vor sieben Jahren in Obersontheim ein Gedenkstein enthüllt worden. 
An der damaligen Feier hatte sogar Dr. Ernst Messerschmid, Physiker und Astronaut gemeinsam mit Schwester und Schwager teilgenommen, der zu einer der Ermordeten familiäre Bindungen hatte. In jedem Jahr wird erneut an die Geschichte und das Leben der vier Frauen erinnert. „Wir müssen uns immer wieder dagegen wehren, das ein Menschenleben mit Geld ausgewertet und bewertet wird“, sagte Pfarrer Frank Wößner, Vorstandsvorsitzender der Samariterstiftung in die Runde vor dem Gedenkstein. 

Zwei Menschen stellt der Stein dar. Sie sind auf der Flucht. Der eine davon trägt einen Koffer in der Hand. Durch den Stein geht ein Riss – denn das Leben dieser Menschen, die einfach in grauen Bussen fortgebracht worden sind, ist auseinandergerissen worden. Mit einem Mal war nichts mehr, wie es sein sollte. „In wenigen Jahren gibt es keine Zeitzeugen mehr“, sagte Frank Wößner und mahnte das Erinnern an. „Wenn wir es nicht vergessen, dann wird es nicht vergessen.“ Es entspräche der diakonischen Grundüberzeugung, dass jedes Menschenleben unvergleichlich sei. „Diese Würde ist jedem von uns Menschen geschenkt. Das erinnert uns daran, wie wir miteinander umzugehen haben“, so Wößner. 

Auch Obersontheims neue Pfarrerin Ursula Wilhelm hatte sich zum Gedenken eingefunden. Sie verdeutlichte nachdrücklich die „Entweder-oder-Mentalität“ der Gesellschaft. „Wir bewerten das Leben anderer Menschen oder werden selbst bewertet“, erklärte sie. Aus dieser Haltung heraus sei es leicht gewesen, die vier Frauen zu verurteilen und aus dem Leben zu verbannen. Christen seien jedoch anders unterwegs. Pfarrerin Wilhelm betete mit der Gedenkrunde: Gott, Vater, lass uns andere Wege beschreiten. Lass uns Menschen so annehmen, wie du uns angenommen hast.“ 
Teamleiter und angehender Diakon Johannes Schmid führte im Anschluss durch die kleine Feier im Speisensaal des Samariterstiftes Obersontheim. Er verdeutlichte, wie wichtig es ist, dass die Namen der vier Frauen nicht in Vergessenheit geraten. „Der Name eines Menschen macht ihn zu etwas Besonderem. Mit seinem Geburtsdatum wird er unverwechselbar. Wenn Menschen einen Namen haben, lässt sich zu ihnen eine Beziehung aufbauen.“ So konnte dann jeder der Anwesenden seinen Namen mit Geburtsdatum auf einen Zettel schreiben und an die Stellwand heften. Im Speisensaal saßen plötzlich lauter Freunde beieinander. Harald Rudolf, Beschäftiger und Werkstattrat, gestand: „Es macht mich traurig, wenn ich an die vier Frauen denke.“ Ihre Namen kennt er seit der Enthüllung des Gedenksteines auswendig. 

Der Chor der Fränkischen Werkstätten in Crailsheim sowie der Singkreis des Samariterstiftes Obersontheim begleiteten den Nachmittag musikalisch. Die ausgewählten Lieder machten Hoffnung, erzählten sie doch davon, wie tief sich die Menschen auf Gott verlassen können und wie sie alle Zeit behütet und umsorgt sind. Berührend, wie sich die Gedenkfeier inzwischen fast „wie von selbst gestaltet“. Alle Menschen, mit und ohne Beeinträchtigung bringen ihre Talente ein und gestalten die Erinnerung auf ihre ganz persönliche Weise. „Die Erinnerung führt uns zusammen und wir halten die Erinnerungen beisammen“, versprach Frank Wößner.