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20.03.18 - Kategorie: Service- und Quartiershaus Feuerbach

Ein Haus als historisches Dokument


Feuerbach Stiftung besucht Robert Bosch Haus und sieht Handschriften des Vaters der Homöopathie

Das gibt es sonst nicht zu sehen! FEUERBACHER STIFTUNG – Zeit für Menschen hat auch in diesem Jahr wieder zu einer exklusiven Jahresveranstaltung eingeladen. „Wir sagen gern mit einem ganz außergewöhnlichen Event danke“, sagt Jürgen Kaiser, Sprecher der Feuerbacher Stiftung. Das gesamte Jahr über werde unterstützt, gefördert und mit viel Engagement zum Wohl anderer und der Allgemeinheit gewirkt. „Das ist nicht selbstverständlich und hat etwas Besonderes verdient.“ 

Deshalb ging es in diesem Jahr ins Institut für Geschichte der Robert Bosch Stiftung. Dort konnten handschriftliche, persönliche Notizen des weltberühmten Begründers der Homöopathie, Samuel Hahnemann in Augenschein genommen werden. Gleich nebenan: das sonst ebenfalls nicht für die Öffentlichkeit zugängliche Robert Bosch Haus. August Robert Bosch ist der Begründer der Robert Bosch GmbH mit heute weltweit 400.500 Mitarbeitenden. An den Standorten Reutlingen und Feuerbach bringen sich viele von ihnen regelmäßig bei den Bosch-Tagen zum Wohl der Bewohnerinnen und Bewohner in Häusern und Einrichtungen der Samariterstiftung ein.

 Robert Bosch wird am 23. September 1861 als elftes von zwölf Kindern von Servatius Bosch und dessen Frau Maria Margaretha (geb. Dölle) in Albeck bei Ulm geboren. Seine Eltern entstammen wohlhabenden Bauernfamilien. Die Landwirtschaft wird durch ein Gasthaus ergänzt. Von Klein auf muss er wie seine Geschwister mit anpacken. Das Startkapital für die „Werkstätte für Feinmechanik und Elektrotechnik", gegründet 1886, von 10.000 Mark entstammte dem väterlichen Erbe. 1887 heiratete er Anna Kayser. Mit ihr hat er einen Sohn und zwei Töchter. Doch der Sohn, der 1909 als Lehrling im väterlichen Unternehmen begann, erkrankte an Multipler Sklerose und starb im April 1921 nach langer Krankheit. Das Leid und die unterschiedliche Art, den Tod des Sohnes zu verarbeiten, entzweite das Ehepaar Bosch. Sie ließen sich 1927 scheiden. Noch im gleichen Jahr heiratete Robert Bosch die 39-jährige Margarete Wörz. Es wurden zwei weitere Kinder geboren. 

Bosch war weniger der schwäbische Tüftler und Erfinder als vielmehr schon damals ein begnadeter „Teamworker“. In seiner Firma wird der Hochspannungs-Magnetzünder für Benzinmotoren entwickelt. Die Produktion des Zünders wird zum Ausgangspunkt für die internationale Expansion des Betriebs. Bosch selbst konzentriert sich jedoch auf die Organisation der Fertigung und die kaufmännische Leitung des Betriebs. Zudem ist er Philanthrop, Humanist und Menschenfreund. Er führt den Achtstundentag in seiner Firma ein und gewährt seinen Arbeitern hohe Löhne, was ihm unter Industriellen den Beinamen „der rote Bosch" einbringt. In Boschs Betrieb werden überdurchschnittliche Löhne gezahlt. Eines der Bonmots von Robert Bosch: „ Ich zahle nicht gute Löhne, weil ich viel Geld habe, sondern ich habe viel Geld, weil ich gute Löhne bezahle.“ 

Dass viel Geld im Spiel gewesen ist lässt sich beim Rundgang durch die Fabrikanten-Villa auf der Stuttgarter Heidehofstrasse erahnen. Die im Jahr 1910/11 errichtete Villa ist als klassisches viergeschossiges Hochparterregebäude entworfen. Stilistische kann es der italienischen Frührenaissance zugeordnet werden. Marmor, Kassettendecken, eine fast zwei Meter hohe Kaminhalle und feinste Designer-Möbel aus edlem Kirschholz sind das Eine. Das andere sind eine zentrale Staubsaugeranlage mit Maschineraum im Souterrain, eine die natürliche Thermik nutzende Entlüftungsanlage, ein elektrisches Rufsystem sowie ein durch gesammeltes Regenwasser gespeistes Wasserversorgungssystem. Das gesamte untere Geschoss diente repräsentativen Aufgaben. Die privaten Räumlichkeiten für die Familie befinden sich darüber. Dort sind heute moderne Büroräume für die ortsansässige Robert Bosch Stiftung entstanden, während sich im Parterre alles noch weitgehend im Originalzustand befindet, oder mit feinfühliger Hand restauriert oder saniert wurde. Rund um das Haus schließt sich ein weitläufiger Park mit Teich und einem uralten Baumbestand an. Letzterer hatte es schon seinerzeit Robert Bosch angetan. 

Er selbst hat im östlichen Teil des Parks sogar eine Obstbaumplantage angelegt, die es heute noch in Teilen gibt, denn Landwirtschaft und Homöopathie, das waren weitere Leidenschaften des Unternehmers. So sollte das 1940 von ihm begründete Robert-Bosch-Krankenhaus eines der Zentren der Homöopathie sein. Im Jahr 1921 schrieb er: „Ich bin vom Knabenalter an nie anders als homöopathisch behandelt worden. Ich bin gegen irgendwelche Arzneimittel sehr empfindlich und habe die Erfahrung gemacht, dass mich homöopathische Arzneimittel auch in 1000-facher Verdünnung stark beeinflussen.“ Die Straße vor dem ehemaligen Robert Bosch Krankenhaus, in dem heute die Landespolizeidirektion residiert, heißt deshalb nach dem Begründer der Homöopathie: Samuel Hahnemann Straße. 

Im Verständnis des Industriellen hat die Robert Bosch Stiftung 1980 das Institut für Geschichte der Medizin (IGM) im Haus der zweiten Ehefrau Margarete eingerichtet, welches sich in unmittelbarer Nachbarschaft zur Bosch Villa befindet. Es ist das einzige außeruniversitäre medizinhistorische Forschungsinstitut in Deutschland. Forschungsschwerpunkte sind die Sozialgeschichte der Medizin und die Geschichte der Homöopathie. Die Forschung in beiden Bereichen konzentriert sich auf die Patientengeschichte. Zum IGM gehören: eine Forschungsbibliothek mit mehr als 50.000 Bänden sowie ein Homöopathiearchiv, das den Nachlass von Samuel Hahnemann sowie wichtiger Schüler und Nachfolger, insbesondere von Clemens von Bönninghausen, aufbewahrt. Außerdem befindet sich in dem Archiv die Überlieferung internationaler und nationaler Organisationen von Homöopathen.