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25.01.18 - Kategorie: Neues aus der Samariterstiftung

„Nicht um jeden Preis wachsen“


Brigitte Lösch ist neue Vorsitzende des Stiftungsrats der Samariterstiftung – Sozialdienstleister als Gemeinwohl-Betrieb zertifiziert

Bei der Samariterstiftung gibt es einen Wechsel im Stiftungsrat: Neue Vorsitzende ist die Landtagsabgeordnete Brigitte Lösch aus Stuttgart. Der 55-Jährigen ist die Qualität in der Pflege und die Attraktivität der Pflegeberufe ein Anliegen, sagte sie beim Redaktionsbesuch unserer Zeitung, zusammen mit Frank Wößner, dem Vorstandsvorsitzenden der Samariterstiftung.

Brigitte Lösch tritt als Vorsitzende des Stiftungsrats die Nachfolge von Eberhard Leibing an, der sich nach 24 Jahren nicht mehr zur Wahl gestellt hatte. Der Stiftungsrat ist das höchste Entscheidungs- und Aufsichtsorgan der Samariterstiftung, ihm gehören 16 Führungspersönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung und Kirche an. Die kirchliche Stiftung betreut als Anbieter von sozialen Dienstleistungen in Württemberg mehr als 4500 Menschen in der Altenhilfe, Pflege, Behindertenhilfe und Sozialpsychiatrie und betreibt rund 60 Häuser, Einrichtungen und Dienste an 27 Standorten. Knapp 2700 Mitarbeiter sind bei ihr beschäftigt, vergangenes Jahr wurde ein Umsatz von 125 Millionen Euro erwirtschaftet. Die Samariterstiftung hat ihren Hauptsitz in Nürtingen.

Die neue Stiftungsratsvorsitzende kennt die Samariterstiftung bereits, und zwar über die Stiftung „Zeit für Menschen“, einer Initiative der Samariterstiftung, deren Gründungsmitglied sie ist. Sie schätze die engagierte Arbeit, die bei der Samariterstiftung geleistet werde, weshalb sie gerne den Vorsitz übernommen habe, sagt Brigitte Lösch: „Hier stehen Werte noch im Vordergrund. Es wird nicht geschaut, wie kann man um jeden Preis wachsen, sondern man geht auch in kleinere Gemeinden, wo die großen Betreiber nicht hingehen.“

Lösch ist seit 2001 Mitglied des Landtags für die Grünen und seit 2016 Vorsitzende des Bildungsausschusses. Die 55-Jährige ist in Geislingen geboren, hat Sozialpädagogik studiert und sich schon früh in der Jugendarbeit und als Gemeinderätin in ihrer Heimatstadt engagiert.

„Für uns als Samariterstiftung ist natürlich positiv, dass Frau Lösch in zwei Parlamenten vertreten ist“, freut sich Vorstandsvorsitzender Frank Wößner. Brigitte Lösch ist seit 2013 Mitglied der Synode der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Darüber hinaus ist sie in etlichen Organisationen ehrenamtlich engagiert.

Das Bild der Pflegeheime realistisch darstellen

Als Sozialpolitikerin komme sie aus der Kinder- und Jugendarbeit, erzählt Lösch. Die Arbeit im Stiftungsrat der Samariterstiftung, die ebenfalls ehrenamtlich ist, bringe nun neue Erfahrungen im Hinblick auf das Alter, auf die sie sich sehr freue. „Ich möchte die Arbeit in den Einrichtungen kennenlernen und wissen, wie der Alltag dort funktioniert“, sagt sie. Neben Besuchen plane sie auch, einmal in einer Einrichtung mitzuarbeiten, „das gehört für mich dazu“. Sie wolle dafür werben, das Bild der Pflegeheime realistisch darzustellen, sagt Lösch. Dieses Thema mache vielen Menschen Angst. Die Samariterstiftung biete mit ihrer Vielfalt der Konzepte, von Kleinstheimen über Wohngemeinschaften bis zur Quartiersbildung, sowie mit ihrer Werteorientierung eine gute Lösung.

Wichtig sei ihr eine Wertschätzung für die Mitarbeiter in der Pflege. Neben einer ordentlichen Bezahlung sei dies ein wichtiger Faktor, um Fachkräfte zu bekommen. Diese Wertschätzung gebe es bei der Samariterstiftung: „Das gefällt mir sehr gut.“ Ein Aspekt, der sich auch in der Gemeinwohl-Bilanz niederschlägt, die das Unternehmen – ein Wort, das Frank Wößner allerdings nicht gerne hört – im vergangenen Jahr erstmals erstellt hat. Als einer der ersten großen Sozialdienstleister sei die Samariterstiftung damit testiert worden, wie Wößner berichtet. Für den Chef der Samariterstiftung stand es schnell fest, dass die Einrichtung sich nach dieser neuen Idee zertifizieren lassen würde: „Wir sind ein gemeinnütziger Träger, das verliert sich in der Öffentlichkeit oft.“ Mit der Gemeinwohl-Bilanz könne man nach außen zeigen, dass man den Fokus nicht nur auf Heime lege: „Den Menschen zu helfen, ist unsere Mission.“ Die Gemeinwohl-Bilanz ist ein Zertifikat, bei dem Unternehmen nicht nach dem wirtschaftlichen Erfolg bewertet werden, sondern nach ihrem Beitrag für die Allgemeinheit.

Die Samariterstiftung nehme damit eine Vorreiterrolle ein, lobt auch die Landtagsabgeordnete Brigitte Lösch. Die grün-schwarze Landesregierung unterstützt die Idee der Gemeinwohlökonomie ausdrücklich im Koalitionsvertrag. „Junge Menschen sind bereit, sich ehrenamtlich zu engagieren. Aber anders als bisher.“

Brigitte Lösch

Als ein wesentlicher Treiber sieht sich die Samariterstiftung auch für das Quartiersprojekt Klein-Tischardt in Nürtingen, das beim Wettbewerb „Quartier 2020“ des Sozialministeriums ausgezeichnet wurde und nun vom Land finanziell gefördert wird (wir berichteten). Das Zusammenleben der Generationen und das Leben im Alter sollen hier neu organisiert werden. Ein Thema, mit dem man sich auch bei der Samariterstiftung beschäftigt. Als nächsten Schritt gehe es jetzt darum, Ideen zu sammeln, wie dieses Quartier ausgestaltet werden könne, so Frank Wößner. Das Projekt lebe davon, „dass die Leute sich darauf einlassen“. Netzwerke sollen entstehen. Die Samariterstiftung – sie betreibt in dem Stadtviertel die Wohnanlage für betreutes Wohnen im Kroatenhof – könne mit Räumen und Know-how tatkräftig unterstützen und koordinieren.

 

„Das ist die neue Entwicklung. Nachbarschaftliche Strukturen entstehen, in denen die Nachbarn nacheinander schauen können. Wir brauchen solche Konzepte“, sagt Brigitte Lösch. Auch einem Wandel beim ehrenamtlichen Engagement spielten solche Projekte in die Karten: „Junge Menschen sind bereit, sich ehrenamtlich zu engagieren. Aber anders als bisher.“ Nicht mehr so sehr über lange Zeiträume wie zum Beispiel im Verein, so ihre Beobachtung, aber durchaus in Projekten: „Man ist bereit, bei einem Projekt mitzuarbeiten, danach kommt dann wieder etwas anderes. Darauf muss man sich als Einrichtung einstellen.“