Ein Schritt zur ökologischen Heizkraft >
< Besuch im Maja-Fischer- Hospiz
12.01.18 - Kategorie: Neues aus der Samariterstiftung, Samariterstift Aalen

Im Sinnesgarten sollen bald Schafe und Esel grasen


Meerschweinchen und Hasen, die Pflegeheimbewohner streicheln können, Vögel, die ihnen etwas vorzwitschern und Katzen, die sie mit Leckerlis verwöhnen dürfen. Das wäre der Wunsch der Vorsitzenden des Kreisseniorenrats, Heidi Schroedter. Durch ihre Besuche mit ihrem Hund Luxi in Pflegeheimen weiß sie, wie wichtig Tiere für ältere Menschen sind. Nur Hausbesuche findet sie allerdings zu wenig. Sie fände es schön, wenn diese dauerhaft in Pflegeheimen als feste Bewohner untergebracht sind.

Ihren Vorschlag der Tierhaltung in solchen Einrichtungen hat sie bereits dem Kreisseniorenrat unterbreitet. Dieser möchte nun mittels einer Umfrage erörtern, welche Pflegeheime dazu bereit wären. „Wir würden uns dann um Paten kümmern, die die Tiere versorgen“, sagt Schroedter und denkt an Schüler, Hausfrauen oder rüstige Senioren. Mit ihrer Idee rennt sie bei Christoph Rohlik, Hausleiter des Samariterstifts, offene Türen ein. Auch er weiß, dass Tiere den Senioren gut tun und diese vor allem auf Demenzkranke einen positiven Einfluss haben. Allein die Anwesenheit von Tieren wirke beruhigend auf sie.

Deshalb bietet die Aalener Einrichtung in der Jahnstraße seit vielen Jahren Hundebesuche an, bei denen die Bewohner die Vierbeiner streicheln, mit ihnen schmusen und spielen können. Im Haus stehen zudem zwei Aquarien, vor denen sich die Senioren täglich an den Fischen erfreuen, die hier ihre Runden ziehen. Kein Problem hat das Heim auch, wenn bei Sankt Martin plötzlich das Pferd auf dem Flur steht oder Besucher ihre Tiere mitbringen.

Anfragen, ein Haustier mitzubringen, sind sehr gering

Auch die Haltung von Tieren in Pflegeheimen ist grundsätzlich erlaubt, sagt Rohlik. Und jeder Bewohner, der ins Samariterstift einzieht, habe ein Recht darauf, sein Haustier mitzubringen. Allerdings seien die Anfragen diesbezüglich sehr gering, sagt Kerstin Fallack von der Sozialdienstleitung, die für die Aufnahme der Senioren zuständig ist. Vor allem deshalb, weil die Wenigsten wissen, dass dies prinzipiell möglich ist. Verwehrt wird der Wunsch auf jeden Fall keinem, sagt Rohlik und erinnert sich an eine Bewohnerin, bei deren Einzug auch ihre Katze gleich als Untermieterin eingezogen ist. Da diese allerdings eine reine Hauskatze gewesen sei und die ganze Zeit im Zimmer der Seniorin verbracht habe, sei die Haltung des Tieres im Samariterstift kein Problem gewesen.

Anders hätte es ausgesehen, wenn die Katze ein- und ausgeht und womöglich eine tote Maus oder einen toten Vogel mit ins Heim geschleppt hätte oder sich die Frau nicht mehr selbstständig um das Tier hätte kümmern können. Das Problem mit dem Stubentiger kam allerdings dann auf, als die Bewohnerin gestorben ist. Auf der Suche nach einem neuen Zuhause nahm sich eine Mitarbeiterin der Fellnase an, sagt Rohlik. Andernfalls wäre die Katze dann im Tierheim gelandet.

Prinzipiell sei auch das Samariterstift dazu bereit, als Halter Tiere im Pflegeheim zu integrieren. Aber die Hürden dafür seien immens hoch, sagt Rohlik. Die Vorschriften vonseiten des Gesundheitsamtes seien streng. Daran sei auch die Idee gescheitert, einen Vogelkäfig im Heim aufzustellen. Denn in den Gemeinschaftsräumen, in denen gegessen wird und die Bewohner etwas von den Tieren hätten, sei dies aus Hygienevorschriften nicht erlaubt. „Zudem hätten wir von jedem Vogel jedes Jahr ein amtstierärztliches Gutachten erstellen müssen.“

Nicht zuletzt stelle die Haftungsfrage ein Problem dar. Gehört der Vogel der Einrichtung und verletzt einen Bewohner, „dann haben wir ein großes Problem“, sagt Rohlik. Dasselbe gelte für Katzen. „Stürzt ein Bewohner in dem Gewusel, sind wir dran.“ Darüber hinaus habe nicht jeder der 112 Bewohner, die hier leben, etwas für Tiere übrig und auch nicht für so manchen Lärm und Geruch, den diese mit sich bringen. „Und wenn nicht die Bewohner selbst auf die Barrikaden gehen, dann die Angehörigen“, sagt der Hausleiter.

Würde das Samariterstift Tiere halten, sei auch der Aufwand nicht zu unterschätzen. Die genügsamen Fische werden vom Hausmeister gefüttert, der auch die beiden Aquarien sauber macht. Das sei gerade noch zu leisten. Ein Hund als Heimtier sei schlichtweg unmöglich. Die Gassirunden, die dieser benötigt, könnte hier niemand stemmen. „Allerdings denken wir intensiv darüber nach, im Frühjahr in unserem Sinnesgarten für Demenzkranke einen Kleintierzoo mit Schafen und Kleineseln zu integrieren. Entstanden sei die Idee nach dem Adventsbasar, den die Einrichtung veranstaltet hat und bei dem es das erste mal Schafe gab, die gestreichelt werden durften. Das sei nicht nur für Kinder, sondern auch für die Bewohner der Magnet Nummer eins gewesen, sagt Rohlik.

Andere Pflegeheime sollen nachziehen

Versorgt werden könnten die Tiere vom Hausmeister. „Oder wir finden Paten.“ Denkbar sei es, den Verein Aufwind ins Boot zu nehmen, aber auch die Behindertenhilfe der Samariterstiftung. Die Idee, dass die Bewohner in naher Zukunft Esel und Schafe im Sinnesgarten streicheln und ihnen eine Karotte ins Maul schieben dürfen, findet Schroedter grandios. Sie wünscht sich, dass noch mehr Pflegeheime mit solchen Projekten nachziehen. Denn spätestens seit der Erkrankung ihres Mannes an Demenz und Parkinson weiß sie, wie wichtig der Kontakt mit Tieren für die Seele sein kann.

Quelle: schwäbische 28.12.17