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16.10.17 - Kategorie: Scharnhauser Park

Märchen erleben- Märchen erzählen


Samariterstift im Nachbarschaftshaus und Samariterstift Ostfildern Ruit sind Teilnehmer im Pilotprojekt „Märchen erleben – Leben erzählen“ der Uta Kutter Stiftung – Akademie für gesprochenes Wort.

Auf der Suche nach Einrichtungen, die Interesse daran haben gemeinsam mit den künstlerisch-pädagogisch ausgebildeten Sprecherinnen und Sprechern der Akademie für gesprochenes Wort im Sommer oder Herbst 2017 eine ›aktiven Erzählstunde‹ mit älteren, auch dementiell erkrankten Menschen zu erproben, kam eine Vertreterin der Akademie im Frühjahr 2017 auf die Einrichtungen zu.

Folgende Annahme sollte in dem Projekt geprüft werden: „ Wie Lieder, die wir früh gehört und gelernt haben, sind auch Reimsprüche, Gedichte und Erzählungen aus Kindertagen mit starken Gefühlen verbunden. Diese Emotionalität des Sprachklangs und Erzählrhythmus‘ ist auf das Engste mit unserer Fähigkeit zu erinnern verbunden. Beim Hören und Wiedererzählen, etwa von Märchen, wecken diese eine Gefühlswelt, aus der heraus es leicht fällt, die bekannte Handlung zu erinnern, weiter zu erzählen und mit der eigenen erinnerten Lebensgeschichte zu verbinden.“

Die Erzähl- und Lesekreise werden angeleitet durch zwei künstlerisch-pädagogische Sprecher und sollen das sprachlich-rhythmische Gedächtnis zum Erzählen der eigenen Lebensgeschichte anregen.

Die erste Veranstaltung im Nachbarschaftshaus hat bereits stattgefunden und die Rückmeldung der Projektverantwortlichen war sehr vielversprechend: Liebe Frau E.,
 als Erstes möchte ich mich vielmals für den freundlichen Empfang und die sehr gute Unterstützung im Nachbarschaftshaus Scharnhauser Park bedanken, besonders auch bei den Pflegebetreuerinnen. Wir fühlten uns direkt wohl in Ihrem Haus. Zunächst möchte ich Ihnen davon berichten, wie ich mir das Projekt vorgestellt hatte. Ich habe mir im Vorfeld bereits viele Gedanken darüber gemacht, wie die Senioren wohl auf die Märchen reagieren würden. Ich dachte, dass wir vermutlich nicht allzu viele Reaktionen erwarten sollten und dass sie einfach nur zuhören würden. Auf der anderen Seite hoffte ich auch, auf irgendeine Weise spüren zu können, dass die Märchen die dementiell erkrankten Menschen erreichen und vielleicht sogar etwas in ihnen bewegen konnten, sie sich gar an sie erinnern konnten.


 Bereits beim ersten Märchen, »Frau Holle« war spürbar, dass die Märchenstunde scheinbar Anklang fand. Als Frau Claus anfing zu erzählen merkte man deutlich, wie das Gemurmel verstummte und die Senioren ihr ihre volle Aufmerksamkeit widmeten. Hin und wieder hörte man, wie einzelne Personen ihre Sätze ergänzten oder man sah sie nicken, da sie sich offenbar gut an das Märchen erinnerten.Dies freute sowohl mich als auch die beiden Sprecher sehr. Als das erste Märchen erzählt war und Frau Claus den Senioren unsere mitgebrachten Äpfel anbot (»reif wie vom Apfelbaum bei Frau Holle!«), nahmen diese viele an und wir mussten feststellen, dass wir bei der nächsten Durchführung unbedingt ausreichend Äpfel für alle Bewohner dabei haben müssen. Das zweite Märchen, »Sterntaler«, leitete Herr Dermann mit einem Klavierstück ein. Er verriet zunächst nicht, welches Märchen er erzählen wird, sondern spielte das Lied »Und die Sterne fielen vom Himmel«. Sehr schnell stimmten die Senioren mit ein und sangen dazu. Das war ein wahrer Gänsehautmoment für mich, da es mich sehr rührte, wie alle das Sterntaler-Lied sangen. Nach dem Lied wurde von den Senioren sehr schnell erraten, dass nun das Märchen »Sterntaler« erzählt wird. Sowohl bei diesem, als auch beim nächsten Märchen, »Hans im Glück«, welches Frau Claus las, wurde aufmerksam zugehört, genickt und gelacht.


 Als letztes trug Herr Dermann »Die Wolf und die sieben Geißlein« vor. Auch hier ergänzten sie Senioren seine angefangen Sätze und bei der Stelle, an der der Wolf sich fragt: »Was rumpelt und pumpelt da in meinem Bauch herum?« sprachen viele freudig mit.
 Als die Erzählstunde zu Ende war, bekamen wir direkt einiges positives Feedback von den Senioren. Es freute uns sehr, zu hören, dass wir Erinnerungen wachrütteln konnten und dass einige sich gefühlt haben, wie in Kindertagen. Meine Vorstellungen und Erwartungen an das Projekt wurden übertroffen, da es einige für mich sehr schöne Momente gab, in denen ich spürte, dass die Idee sehr gut ankam und ich mein Ziel, mit den Märchen die Menschen bewegen zu können, erreicht hatte. Einige Senioren wünschten sich, dass wir mal wieder kämen und die Märchenstunde fortsetzten. Sowohl für mich als auch für die beiden Künstler war der Nachmittag mit den Senioren eine sehr schöne und auch bereichernde Erfahrung.

Ich möchte mich nochmals herzlich für die gute Zusammenarbeit bedanken und freue mich, dass das Projekt im Samariterstift Ruit noch einmal durchgeführt wird. Wir werden uns ja in Ruit wiedersehen und sind schon sehr gespannt auf Ihre Rückmeldung zur ersten Durchführung von »Märchen erleben – Leben erzählen«. Mit Dank und herzlichen Grüßen
 Sarah K.