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18.10.17 - Kategorie: Samariterstift Münsingen

Luther kommt nach Münsingen


Nach 500 Jahren hat er es endlich geschafft. Martin Luther besucht Münsingen, und dort die Werkstatt an der Schanz. Am 31. Oktober 2017 jährt sich zum 500. Mal die Veröffentlichung der 95 Thesen, die Martin Luther – der Überlieferung nach – an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg schlug. Der Thesenanschlag in Wittenberg gilt als Beginn der Reformation. Martin Luther wurde am 10. November 1483 als Sohn von Hans und Margarete Luder in Eisleben geboren. Als zweites von neun Kindern eines Mineneigners und Ratsherrn wuchs er in bescheidenem Wohlstand auf. Zwischen 1501 und 1505 absolvierte er in Erfurt an einer der wichtigsten mitteldeutschen Universitäten die akademische Grundausbildung und schloss das Studium mit „Magister Artium“ ab. Dem Wunsch des Vaters entsprechend nahm er das Jurastudium auf, das allerdings schon sehr bald durch ein Blitzereignis beendet wurde und Luthers Leben verändern sollte.

Auf dem Rückweg vom Besuch bei den Eltern geriet der junge Student am 2. Juli 1505 bei Stotternheim nahe Erfurt in ein Gewitter. In Todesangst gelobte er, Mönch zu werden. Nur zwei Wochen später trat er dem Orden der Augustiner-Eremiten in Erfurt bei. Als Bruder Martin führte er ein strenges Mönchsleben. Er wurde 1507 zum Priester geweiht und begann schließlich das Theologiestudium aufzunehmen. Seinen Doktortitel erwarb er 1512 in Wittenberg, wo er bis zu seinem Tod als Theologieprofessor wirkte. Im Jahr 1517 erhebt in der kleinen unbedeutenden Stadt Wittenberg im Nordosten Deutschlands der Augustinermönch Martin Luther seine Stimme. Er fordert die Herrscher Europas heraus, den Kaiser und den Papst. Luthers Anspruch: Die christliche Kirche muss zu den Wurzeln Christi, zum Evangelium zurückkehren. Luther wird in die Geschichtsbücher eingehen, mit ihm beginnt das Zeitalter der Reformation. Denn seit 1515 vertrieb der Dominikanermönch Johannes Tetzel im Auftrag des Kardinals Albrecht von Brandenburg den sogenannten Petersablass.

Mit den Einnahmen sollte die Fertigstellung des Petersdomes in Rom finanziert werden. Als Seelsorger sowie akademischer Lehrer fühlte sich Luther zum Handeln verpflichtet und begann bereits früh, die Predigten und Geschäftspraktiken Tetzels zu kritisieren. Am 31. Oktober 1517 veröffentlichte er seine berühmten 95 Thesen wider den Missbrauch des Ablasses. Der Tag symbolisiert bis heute den Beginn der Reformation. Die ursprünglich für eine akademische Auseinandersetzung verfassten Artikel verbreiteten sich durch den Buchdruck wie ein Lauffeuer in ganz Deutschland. Am Ende stand die Ablösung von der katholischen Kirche.

Und so trägt der „kleine“ Martin Luther, der in diesen Tagen von Werkbank zu Werkbank zog und die beschäftigten der Werkstatt an der Schanz besuchte, die schwarze Amtskleidung eines evangelischen Pfarrers, den Talar. 1811 führte ihn der König von Preußen ein. Er macht ihn per Gesetz zur Amtstracht für evangelische Pastoren. Und das übrige Deutschland ging mit. Schon Martin Luther trug zum Gottesdienst einen Talar. Viele Gemälde aus dem 16. Jahrhundert zeigen den Reformator in dieser Kleidung. Martin Luther wiederum hat sich am Dresscode der Universitäten orientiert. Die Professoren haben damals Talar getragen. Den Gelehrtenmantel nahm Martin Luther dann mit auf die Kanzel. So machte der dunklen Umhang zu einem Markenzeichen für die evangelische Kirche.