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18.10.17 - Kategorie: Neues aus der Samariterstiftung, Samariterstift Münsingen

Erinnerungen werden lebendig


Auf den ersten Blick war alles wie bei jedem anderen Konzert. Gespannt saßen die Besucher in der Zehntscheuer und freuten sich auf das, was ihnen schon bald vom Blechbläserensemble der Württembergischen Philharmonie Reutlingen geboten wurde. Und doch handelte es sich bei ihnen um ein ganz besonderes Publikum. Als Demenzpatienten können sie sich an vieles nicht mehr erinnern, eines aber ist ihnen geblieben: die Liebe zur Musik.

Das zeigte sich bereits bei den ersten Klängen und der Begeisterung, mit der sie gemeinsam „Muss i denn“ anstimmten, ohne sich dabei des abgedruckten Liedtextes zu bedienen. Denn nichts anderes vermag es so sehr wie Musik, die Erinnerung zu aktivieren. Musik bleibt lange im Gedächtnis haften, insbesondere klassische Musik berührt die Menschen auf besondere Weise. Sie ruft Emotionen und Erinnerungen wach und beeinflusst die Stimmung und das Wohlbefinden. Für die Württembergische Philharmonie Reutlingen war dies vor zwei Jahren der Grund, die Reihe „Seelenbalsam-Konzerte“ ins Leben zu rufen.

„Viele ältere Menschen können nicht mehr in Konzerte gehen. Mit solchen Konzerten wollen wir insbesondere sie ansprechen“, war von Intendant Cornelius Grube zu hören, der ebenfalls nach Münsingen gekommen war. Die Musiker wurden besonders auf die Bedürfnisse von Menschen mit Demenz vorbereitet, so auch das Blechbläserensemble mit Roland Grau und Alfred Hepp (Trompete) sowie Jürgen Jubl (Posaune) und Sebastian Volk (Bassposaune), das in der Zehntscheuer auftrat und seine Zuhörer begeisterte. Auf dem einstündigen Programm standen kurze Sätze aus unterschiedlichen Epochen, darunter „Rondeau“ von Jean-Joseph Mouret, „Two Trumpet Tunes and Ayre“ von Henry Purcell, „Ave Verum“ und „Presto“ von Wolfgang Amadeus Mozart, „Tanz Suite in 4 Sätzen“ von Richard Zettler oder auch „Maple Leaf Rag“ von Scott Joplin. Die Ansagen von Sebastian Volk waren kurz und leicht zu verstehen, die Musik schwungvoll und emotional. Sie legte sich wie eine warme Decke auf die Seelen der Zuhörer, die konzentriert und voller Freude den Vorträgen lauschten.

„Eine besondere Musik in einem familiären Rahmen“, lobte Irmgard Gürke von der Diakoniegesellschaft Münsinger Alb, die gemeinsam mit der Bruderhaus-Diakonie Buttenhausen, dem Samariterstift Münsingen und der Stadt Münsingen dieses Konzert möglich gemacht hatte. Für Rebecca Hummel von der Stadtverwaltung reihte sich diese besondere Veranstaltung hervorragend in das kulturelle Angebot ein, Dekan Norbert Braun zitierte Martin Luther, der Musik als tröstlich bezeichnete: „Die Erfahrung zeigt, dass nach dem heiligen Wort Gottes nichts so sehr und so hoch zu rühmen ist wie die Musik. Nichts auf Erden ist wirksamer, sie macht die Traurigen fröhlich und die Fröhlichen traurig, die Verzagten herzhaft, reizt die Hochmütigen zur Demut, stillt und dämpft die hitzige und übermäßige Liebe, mindert Hass und Neid“.

Für die Besucher des Seelenbalsam-Konzerts war es vor allem aber eine Musik gegen das Vergessen, eine Erinnerungsinsel, die ihnen ermöglichte, am gesellschaftlichen und kulturellen Leben teilzuhaben.