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23.11.17 - Kategorie: Samariterstift Geislingen+Altenstadt

Mit Blick auf den Kirchturm


Erst kamen die Besucher tröpfchenweise ins Gingener Rathaus, dann aber musste nachgestuhlt werden und am Ende war die Hundertermarke erreicht. Die Verwaltung hat am Mittwochabend zu einer Infoveranstaltung zum Neubau des Samariterstifts ins Rathausfoyer geladen und vorwiegend ältere Bürger waren gekommen. Neben dem Interesse an dem Projekt gab es auch Kritik über die Parksituation.

Die stellvertretende Bürgermeisterin Gudrun Soukup stellte in Vertretung des erkrankten Bürgermeisters das Projekt aus Sicht der Gemeinde vor und erläuterte die bisherigen Planungsschritte: Seit 2008 ist das Grundstück, eine Obstbaumwiese zwischen Kirchgasse, Pfarrstraße und Grabenstraße, im Besitz der Gemeinde. Doch erst 2011 wurde der Bau einer Altenpflegeeinrichtung ein Thema. Mit der Wilhelmshilfe wurde ein Träger für das Projekt gefunden. Anfang 2015 stieg der allerdings wieder aus. An deren Stelle ist nun die Samariterstiftung mit Sitz in Nürtingen getreten.

Grundstück in Erbbaupacht

Im Juli 2016 wurde das Projekt in seinen Details von Architekt Eckhard Ernst dem Gemeinderat vorgestellt. Laut Soukup werde das Grundstück der Samariterstiftung in Erbbaupacht zur Verfügung gestellt, für die Erschließung ist die Gemeinde zuständig. Die finanzielle Beteiligung an der Begegnungsstätte werde sich auf etwa 120?000 Euro belaufen.

Viele Einzelheiten über die neue Altenhilfeeinrichtung gab es aus erster Hand von Architekt Eckhard Ernst und vom Vorstandsvorsitzenden der Samariterstiftung, Frank Wößner. Letzterer stellte die Stiftung, den Träger der Einrichtung, vor und betonte, dass man sich in Gingen nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung zum örtlichen Krankenpflegeverein und zur Nachbarschaftspflege sehe. Die Samariterstiftung betreibt derzeit in Württemberg 60 Einrichtungen an 27 Standorten und betreut etwa 4000 Menschen. Für Wößner ist der Standort in Gingen unmittelbar bei der Kirche ideal.

Das Wohnkonzept sieht in Gingen drei Hausgemeinschaften vor, basierend auf einer besonderen Architektur und einem darauf abgestimmten Betreuungsangebot. Die Stiftung will die Hausgemeinschaften mit 40 Pflegeplätzen (einige werden für Kurzzeitpflege freigehalten) in 12, 13 und 15 Bewohner aufteilen. Eine Wohnküche und ein Wohnzimmer bilden den gemeinsamen Mittelpunkt einer jeden Gemeinschaft. Frühstück, Mittagessen und Abendbrot werden zusammen in der Wohnküche vorbereitet und eingenommen. Die jeweiligen Einzelzimmer sind Privatbereich und schließen sich an den Gemeinschaftsbereich an. Die Planung sieht auch vor, dass Einzelzimmer bei Bedarf mittels einer Verbindungstür zu Doppelzimmer ­gemacht werden können. Im ­Erdgeschoss, neben dem Eingangsbereich aus der Grabenstraße kommend, wird es eine Begegnungsstätte für zum Beispiel private kleine Feierlichkeiten geben.

Über den Bau auf dem 1930 Quadratmeter großen Grundstück machte Architekt Ernst einige Angaben. Die Bewohner werden später immer einen direkten Blick auf den Kirchturm der Johanneskirche haben. Gebaut wird ein zweiflügliges Gebäude, wobei der Komplex an der Grabenstraße dreigeschossig und der Teil entlang am Fußweg von der Graben- zur Pfarrstraße zweigeschossig wird. Beide Hausteile erhalten ein Flachdach. Der Vorplatz zur Grabenstraße hin soll städtebaulich aufgewertet werden, und im hinteren Bereich zur Kirche hin will die Samariterstiftung einen „beschützten Garten“ anlegen, der auch von dementen Bewohnern genutzt werden kann. Die Zimmer werden durchschnittlich 16 Quadratmeter groß sein, hinzu kommt noch ein etwa vier Quadratmeter großes Bad/WC. Im Haupttrakt ist zudem ein Pflegebad und ein Friseurarbeitsplatz untergebracht. Für Arztpraxen oder dergleichen gibt es keine zusätzlichen Räume. Dies ist nach Meinung von Eckhard Ernst finanziell nicht tragbar.

Diskussion um Parkplätze

Eine heftige Diskussion unter den Besuchern fachte auf, als die Parkplatzsituation zur Sprache kam. Die vom Architekten genannten drei Parkplätze wurden lautstark mit Lacher kommentiert. Der Wunsch nach einer Tiefgarage wurde geäußert. Doch dies sei laut Frank Wößner nicht realisierbar. „Das Ding mit Tiefgarage wird es nicht geben, wenn ja, dann sind wir weg.“ 

Gudrun Soukup versuchte den Wind ein wenig aus den Segeln zu nehmen: „Wir kennen das Problem, haben aber trotz heftiger Suche keine passende Lösung gefunden.“

Fünf zusätzliche Parkplätze soll es aber nach Planung der Gemeinde bis zur Eröffnung im Bereich der Grabenstraße an einer neuen Freizeitfläche am Filsufer geben.