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14.11.17 - Kategorie: Samariterstift Obersontheim

Auf dem Weg zurück ins Arbeitsleben


Nur noch wenige Wochen befindet sich die Einrichtung Buchhof im Rottal, wo bislang der Sitz des gleichnamigen Vereins ist. „Bei uns wohnen vor allem junge Erwachsene bis 35 Jahre. Sie bleiben meist zwischen eineinhalb und zweieinhalb Jahren. Ziel ist, dass sie wieder möglichst eigenständig leben und zurück ins Arbeitsleben finden“, erklärt Geschäftsführer Till Medick.

Anfang 2018 steht der Umzug nach Hessental bevor. Grund seien die neuen Gesetze, die im Buchhof nicht mehr umsetzbar sind, aber auch der Wunsch der Bewohner nach schnellem Internet und besseren Busverbindungen. „Der neue Standort ist super. Wir haben dort 24 Plätze“, freut sich Medick. Der Verein legt Wert auf Angebote wie Malen, Musizieren und Singen, auf ein schönes Ambiente im Haus, Erlebnisse in der Natur und einen guten Umgang miteinander. „Wichtig ist ein strukturierter Tagesablauf, wo jeder im Haushalt Aufgaben übernimmt“, so die pädagogische Leiterin Simone Weber. Neben dem stationär betreuten Wohnen hat der Verein in Hall auch 10 Plätze für Menschen, denen eine ambulante Betreuung reicht, sowie einige Plätze in Familien.

Das betreute Wohnen von psychisch kranken Menschen in Familien ist ein Schwerpunkt des Vereins Wendepunkt. „Davon profitieren vor allem Menschen, die sonst in einer stationären Einrichtung leben müssten“, stellt Mitarbeiterin Eva-Maria Schulz fest. Die Altersspanne der zur Zeit 44 Klienten in Familien reicht von 18 bis ins hohe Alter. „Bei den Jüngeren ist oft das Ziel, dass sie nach ein paar Jahren in eine WG ziehen oder ganz eigenständig leben. Die Älteren bleiben teilweise bis zum Lebensende in der Familie“, berichtet die Sozialpädagogin.

Rund 60 Klienten betreut der Verein in gemieteten Häusern für Wohngemeinschaften in Hall und Crailsheim oder in ihrer eigenen Wohnung. „Jeder Klient hat seinen Betreuer, der auch für ihn zuständig bleibt, wenn er die Wohnform wechselt“, schildert Eva-Maria Schulz.

Das Samariterstift bietet seelisch kranken Menschen neben dem Sozialpsychiatrischen Dienst, den wir am 13. Oktober vorgestellt haben, passgenaue Angebote im Arbeits- und Wohnbereich. Das ist wichtig, weil chronische psychische Erkrankungen oft in Wellen und mit unterschiedlichen Unterstützungsbedarf verlaufen. Der Job ist meist das Erste, wo die Betroffenen Unterstützung brauchen. Krankheit und Medikamente verringern ihre Leistungsfähigkeít, ihren Beruf können sie meist nicht mehr ausüben. Deshalb betreibt das Samariterstift in Obersontheim, Hall, Crailsheim und künftig auch in Gaildorf Werkstätten mit verschiedensten Arbeitsplätzen etwa in der Metallbearbeitung, Verpackung, Montage, Konfektionierung und in der Gärtnerei. „Über zwei Jahre kann eine neuer Klient unterschiedliche Stellen durchlaufen, um eine für ihn geeignete zu finden“, erklärt Regionalleiter Christoph Holl. Rund 50 Arbeitsplätze gibt es außerhalb der Werkstätten etwa bei Kärcher in Obersontheim, AS-Motor in Bühlertann, aber auch bei Firmen in Hall und in Crailsheim. „Dort arbeiten die Menschen zusammen mit gesunden Kollegen, aber mit weniger Arbeitsdruck und Leistungsintensität“, so Holl. Er ist stolz auf die Kooperation mit Kärcher, für die das Samariterstift Teile herstellt und bis zu 60?000 verschiedene Ersatzteile konfektioniert und verpackt. „Hier verlangt Kärcher Industriequalität und die liefern wir“, stellt er klar.

Begehrt sind die Arbeitsplätze im stiftungseigenen Café im Haller Kocherquartier, dem Samocca. „Es freut mich immer, wenn ich mit Besuchern dorthin gehe und sie mich fragen, wer denn jetzt ein Behinderter sei. Dann haben wir alles richtig gemacht“, berichtet Holl und lacht. Von insgesamt rund 250 Menschen, denen das Samariterstift sozialversicherte Arbeit gibt, schaffen es jährlich zwei, auf dem ersten Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Für noch stärker eingeschränkte psychisch kranke Menschen gibt es in Hall, Crailsheim und Blaufelden Tagesstätten, wo die Besucher Struktur und Verbindlichkeit üben und Gelegenheit zu Kontakten, Freizeitgestaltung und einem kleinen Zuverdienst haben.

50 Plätze in Wohngruppen

Auch beim Wohnen hat das Samariterstift unterschiedlichste Angebote: Pionier ist sie in der stationären Betreuung älterer psychisch kranker Menschen, aktuell noch im Haller Nikolaihaus, bald in einem Neubau in Crailsheim. „Da sind wir wohl die Einzigen in Württemberg, die das über die Eingliederungshilfe anbieten“, stellt Holl fest. Im Nikolaihaus leben auch jüngere stark seelisch behinderte Menschen, für die bald in Hall neu gebaut wird. In Crailsheim und Obersontheim gibt es in einfamilienhausähnlichen Häusern 50 Plätze in stationär betreuten Wohngruppen. „Diese Bewohner haben eine gewisse Grundselbständigkeit. Manchen gelingt es, später ins ambulant betreute Wohnen zu wechseln. Hier leben die Klienten in von uns gemieteten oder in eigenen Wohnungen und bekommen zur Unterstützung nur noch regelmäßig Besuch von Sozialarbeitern“, so Holl. Wichtig ist ihm, die erstklassige Zusammenarbeit mit dem Landkreis bei der Entwicklung von Angeboten für chronisch psychisch kranke Menschen herauszustellen. „Hier nimmt der Landkreis seine Aufgabe zur Daseinsvorsorge vorbildlich wahr“, stellt er klar.

Info Hiermit endet unsere Serie über Hilfsangebote für chronisch psychisch kranke Menschen. Mehr Informationen dazu gibt es am Samstag, 18. November, von 10 bis 13 Uhr im Hospitalgebäude in Hall. Dort präsentieren sich alle im HT vorgestellten Akteure mit einem Stand und bieten Kurzberatungen an.

Quelle: http://www.swp.de/schwaebisch_hall/lokales/schwaebisch_hall/auf-dem-weg-zurueck-ins-arbeitsleben-24059783.html