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29.03.17 - Kategorie: Neues aus der Samariterstiftung

Seelsorge ist Erdung für mich

Lea Schweizer ist die neue Pfarrerin in der Samariterstiftung.


Eigentlich war etwas ganz Anderes im Gespräch. Lea Schweizer hat nach dem Abitur zunächst zwei Semester Tiermedizin studiert. Aber in dem Fach ist sie irgendwie nie heimisch geworden. Dann kam eine ziemlich umwälzende Sinnfindungsphase. Und herausgekommen ist die Theologie. 

Die 30jährige ist die neue Pfarrerin in der Samariterstiftung und teilt sich mit Cornelia Eberle die Arbeit im Referat Diakonie und Theologie. Im Gehen eines Wegs kommen sehr viele Menschen schließlich bei sich selber an. So ähnlich ging es auch Lea Schweizer, die sich mit 20 Jahren aufmachte. An der französisch/spanischen Grenze startete sie ihre Wanderung auf dem Jakobsweg. Völlig unerfahren mit nagelneuen Wanderschuhen und schließlich mit Blasen an den Füßen sowie der Erkenntnis, dass es lohnt, auf Gott zu vertrauen. Sie studierte im Anschluss Theologie in Tübingen, Marburg und Glasgow. Was ihr zunächst als Unding erschien, denn die eigene Mutter ist Pfarrerin, wurde ihr zur seelischen und geistigen Heimat. „Ich bin dort angekommen, wo ich hingehöre.“

 Dabei ging es ihr immer wieder um das gelebte Wort in der Theologie. „Wie kommt das bei den Menschen an, was ich sagen will? Ich mag keine leeren Worthülsen. Wenn ich was sage, möchte ich, dass greifbare Bilder entstehen, dass Menschen berührt werden.“ Kein Wunder also, dass ihr die Seelsorge auch als Pfarrerin bei der Samariterstiftung sehr wichtig ist. In ihrer ersten Andacht in der Hauptverwaltung war das ihr Thema. „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein... es braucht das Brot des Alltags, aber das reicht nicht. Es braucht auch Rosen – weder nützlich, noch sattmachend. Aber bunt und schön. Diese Rosen stehen für das Mehr im Leben – für Träume, Hoffnungen, Begegnungen. Oft nicht fassbar. Für jeden anders.“ 

 Die junge Frau, der keiner anhört, dass sie gebürtige Schwäbin ist, erinnert daran, dass selbst Menschen mit schwerer Demenz noch Gebete oder Kirchenlieder auswendig können. Die christliche Seelsorge sei allerdings nur ein Angebot. Der eine brauche es, der andere weniger. Ähnlich auch ihre Einstellung, wenn es um die Mitarbeitenden der Stiftung geht. „Meine Türen stehen offen, ich bin da, wenn ich gebraucht werde.“ 

Noch ist sie erst wenige Wochen im Amt. Außer ihren Aufgaben für die gesamte Stiftung ist sie auch im Doktor-Vöhringer-Heim als Seelsorgerin tätig. „Vor Ort zu sein, die Menschen kennen zu lernen, die Realität des Lebens im Heim zu erfahren - Seelsorge ist auch Erdung für mich.“ Während ihres Vikariats hat sie auch im Hospiz gearbeitet. Da hat sie sehr tiefe Erfahrungen mit dem empathischen Mit- und Füreinander gemacht. „Es geht darum, sein Gegenüber wirklich zu sehen, und wahrzunehmen, was es jetzt gerade nötig hat.“ Lea Schweizer blickt aus blauen Augen sehr klar auf ihr Umfeld. „Diese neue Aufgabe ist eine Herausforderung. Ich werde meine Horizonte hier wunderbar erweitern können.“ Einen Anfang macht sie jeden Morgen und abends nach Feierabend, denn sie radelt zwischen Plochingen, wo sie wohnt und Nürtingen, wo sie meistens arbeitet, hin- und her. Beim Treten der Pedale werden der Kopf frei, die Gedanken geordnet und das Kreative sprudelt.