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08.03.17 - Kategorie: Neues aus der Samariterstiftung

Kosten für Pflegebedürftige müssen im Rahmen bleiben

Samariterstiftung unterstützt das Positionspapier des DEVAP


Die Samariterstiftung unterstützt das Positionspapier, das der Deutsche Evangelische Verband für Altenarbeit und Pflege (DEVAP) in diesen Tagen der Öffentlichkeit vorgestellt hat. „Der Schlüssel zur Lösung vieler Probleme ist eine bessere Verteilung der Finanzlasten und zwar zugunsten der Pflegebedürftigen“, fordert darin Bernhard Schneider, Vorsitzender des DEVAP. Dem kann Dr. Eberhard Goll Vorstand der Samariterstiftung und zuständig für den Geschäftsbereich Altenhilfe und –pflege, nur beipflichten: „ Es muss eine echte Pflegeteilkasko umgesetzt werden. Das was wir heute haben, verdient den Namen nicht.“

Unter einer Teilkaskoversicherung versteht der Laie gemeinhin eine Versicherung, die die Summe „X“ ausbezahlt, egal wie hoch der Schaden tatsächlich ist. Bei der Pflegeversicherung sieht die Sache freilich so aus: Der Sockelbetrag, den die Pflegeversicherung im Fall der Pflegebedürftigkeit absichert, ist gedeckelt, unerheblich, wie hoch die anfallenden Kosten für die zu erfolgende Pflege tatsächlich sind. In der Praxis bedeutet dies, dass immer mehr Menschen deutlich mehr für ihre Pflege aufwenden müssen. Das fällt vielen zunehmend schwerer. Der Schritt in die Sozialhilfe, zumindest in die Altersarmut, ist nur noch ein ganz kleiner.

„Das Risiko muss für die Menschen, die Pflege in Anspruch nehmen müssen, begrenzt sein“, sagt Dr. Goll. Im Positionspapier des DEVAP liest es ich so: Die Umsetzung des Teilkaskoprinzips in der Pflegeversicherung muss mutig und zielstrebig angegangen werden, damit Pflege für Menschen bezahlbar wird und nicht in die Armut führt.

Eine weitere Forderung des Positionspapiers bezieht sich auf die starren Sektorengrenzen. Damit ist der gegenwärtige Umstand gemeint, dass Menschen, die in der stationären Pflege untergebracht sind, auch nur die dafür vorgesehenen Leistungen in Anspruch nehmen können beziehungsweise dürfen. Auch wenn die Bewohner denselben Hilfe- oder Pflegebedarf haben: allein aufgrund der Wohnform, in der sie leben, z.B. in einem Pflegeheim oder in einer Pflege-WG, sind Preise und Leistungen ganz unterschiedlich. „Die Pflegeheimwelt ist eine absolut eigene Welt“, sagt Dr. Goll, „es ist nicht zu verstehen, und erst recht nicht aus Sicht der zu pflegenden Menschen, warum es diese Sektorengrenzen wie mit der Pflegeversicherung eingeführt, geben muss.“ Es könne nicht sein, dass die Wohnform bestimme, wer welche Leistung zu bekommen habe. „Jeder soll die Leistung erhalten, die er braucht“, sagt er. 

Der DEVAP fordert die schrittweise Überwindung der ambulanten und stationären Sektoren zur Stärkung wohnortunabhängiger Pflegearrangements und zur Klärung der Finanzierungszuständig-keiten. Finanzen, das nächste Stichwort. Derzeit ist es folgendermaßen: Menschen, die zu Hause leben, erhalten behandlungspflegerische Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch (SGB) Fünftes Buch (V). Wer jedoch im Heim lebt, erhält solche Leistungen nicht von seiner Krankenkasse. Diese Ungleichheit muss weg, plädiert der DEVAP. „Das, was die Leute alles im Fall der Pflege und Hilfe selbst zahlen müssen, ist überproportional gestiegen“, stellt Dr. Goll fest und bedauert, dass deshalb „die Zahl der Sozialhilfeempfänger unter den Bewohnern steigt“. 

Wegweisend hat die Samariterstiftung, im Sinn des Positionspapiers des DEVAP; einen Weg beschritten, der in Zukunft für mehr Gerechtigkeit in der Pflege sorgen kann. Neue Quartierskonzepte wurden entwickelt und werden weiter entwickelt. Hinzu kommen Angebote mit neueren Wohnformen. All dies sichert den Menschen zu, dass sie erstens so lange wie möglich im häuslichen Umfeld verbleiben können und dass sie, wenn es dann zur Pflege kommt, sich genau die Pflege aussuchen können, die sie nötig haben. Alles unter der Prämisse, dass Pflege bezahlbar bleibt. Die Samariterstiftung hat sich dem SONG-Netzwerk angeschlossen. Das „Netzwerk: Soziales neu gestalten“ (SONG) ist ein Zusammenschluss mehrerer Akteure der Sozialwirtschaft. Ihr gemeinsames Fundament ist ihr Engagement für das Gemeinwohl und der Wille, die Herausforderungen und Chancen des demografischen und sozialen Wandels aktiv zu gestalten. 

Im Positionspapier des DEVAP ist festgehalten: Die Zivilgesellschaft ist zu stärken und die Angehörigenpflege zu honorieren. Gesellschaftliche Partizipation soll verbessert und Quartiermanagement finanzierbar werden. „Die Samariterstiftung ist in dieser Hinsicht bereits ein gutes Stück Weg gegangen“, sagt Goll, „das hat sich für uns so ergeben, weil wir einerseits auf die Bedürfnisse des Menschen schauen.“ Andererseits geht er davon aus, dass dies ein politisches Thema ist, welches im beginnenden Vorwahlkampf bestimmt noch lauter zu vernehmen sein wird. „Wir müssen für unsere Ansichten und Forderungen nach Verbündeten suchen. Am besten gelingt dies wahrscheinlich im persönlichen Gespräch.“

Eine letzte Forderung gilt dem Dauerbrenner: Fachkräftemangel. Wer das Personal aufstocken oder auch besser bezahlen möchte, muss gegenwärtig – bei gedeckelten Pflegeversicherungsleistungen - die Kosten hierfür eins zu eins auf die zu Pflegenden umlegen. Die Pflegekasse ist aufgefordert, wenigstens einen Teil, wenn nicht gar die gesamte Pflegevergütung zu übernehmen. Kritiker reagieren vorschnell mit dem Argument, dass dies nicht finanzierbar sei. Ob dem tatsächlich so ist, soll jetzt ein unabhängiges, wissenschaftliches Gutachten herausfinden, das der DEVAP in Auftrag gegeben hat. Fest steht, und zwar bereits ohne wissenschaftliches Gutachten, dass der angespannten Personalsituation nur mit besseren Arbeitsbedingungen und einer modernen, generalistischen Pflegeausbildung begegnet werden kann.