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14.03.17 - Kategorie: Dr.-Vöhringer-Heim + Kroatenhof

„Das ist mein Ding, ganz meine Welt“

Christine Bachmann arbeitet gern als Alltagsbegleiterin im Dr. Vöhringer-Heim


Sie begleiten die Bewohner im Alltag und durch den Alltag. Alltagsbegleiter/in, das ist ein neuer, sich gerade entwickelnder und attraktiver Beruf. So neu, dass ihn die Mitarbeitenden durch ihre Erfahrungen und ihre Persönlichkeit mitgestalten können. Alltagsbegleiterinnen- und -begleiter helfen, den Alltag von alten Menschen in Pflegeheimen zu strukturieren. Sie beteiligen die Seniorinnen und Senioren nach Möglichkeit beim Kochen oder in der Hauswirtschaft – und erbringen „pflegenahe Tätigkeiten“. Christine Bachmann hat im Dr.-Vöhringer-Heim in Oberensingen ihre Berufung in diesem neuen Berufsbild gefunden.

„Das sind schöne Tulpen“, sagt Christine Bachmann im Vorübergehen, während sie den großen Esstisch abwischt. Der Herr, dessen Kopf gesenkt über dem Teller hängt, richtet sich auf, blickt um sich und lacht in ihre Richtung. Ob er das mit den Tulpen verstanden hat, ob auch er sie schön findet, dass weiß niemand, denn er ist hochgradig dement und in seiner eigenen Welt versunken. Aber für diesen einen Moment ist er im Hier und Jetzt. Das hat Christine Bachmann bezweckt. Denn außer so genannter „Biografiearbeit“ leistet sie als Alltagsbegleiterin in der Hauptsache Aktivierung der Bewohnerinnen und Bewohner. „Möchten Sie mir beim Gemüseschneiden helfen“, ist beispielsweise eine dieser Aktivierungsmaßnahmen. Christine Bachmann, liebt die Arbeit in der offenen Küche, denn so ist sie stets nah an den Menschen, selbst wenn sie Essen zubereitet. 

Seit 2012 ist sie als Alltagsbegleiterin im Dr.-Vöhringer-Heim beschäftigt. „Es ist hier eine wirklich gute Atmosphäre“, sagt sie. In der Hausgemeinschaft, in der sie tätig ist, leben Menschen mit Demenz. Deshalb ist es nicht immer möglich, mit ihnen ein verständiges Gespräch zu führen. „Aber Ansprache, eine einfühlsame Berührung, ein offenes Lachen, das alles bekommen auch demenziell erkrankte Menschen mit.“ Der Frühdienst beginnt für die Alltagsbegleiterinnen um 6.45 Uhr und die Schicht geht bis 13 Uhr. In einem kleinen Pflegefenster wird dann bis etwa acht Uhr gearbeitet. Morgens versorgt Christine Bachmann drei Bewohner und in der abendlichen Schicht fünf Bewohner. Die meisten Bewohner benötigen Hilfe am Waschbecken, sie können die Ganzkörperpflege nicht mehr selbst ausführen.

In einer Hausgemeinschaft werden die Mahlzeiten fast immer gemeinsam am großen Esstisch in der gemeinsamen Wohnküche eingenommen. „Dabei kenne ich schon die Vorlieben der einzelnen. Der eine mag viel, der andere wenig Butter auf seinem Marmeladenbrot. Der nächste isst nur Wurst.“ Das sei das schöne, dass sie ihre Arbeit auch individuell gestalten könne. Zur Mittagszeit holt sie das vorbereitete Essen aus der Zentralküche und verfeinert es vor den Augen der Bewohnerinnen und Bewohner in der Wohnküche der Hausgemeinschaft. „Salatsoßen mache ich selbst und auch den Nachtisch wie Pudding koche ich hier.“ Im Sommer holt sie aus dem angrenzenden beschützten Garten, frische Kräuter. „Wenn dann der Duft nach frischem Bohnenkraut durch die Küche zieht, erinnern sich doch einige an früher“, ist sie sich sicher. 

Auch das Abendbrot wird von ihr liebevoll angerichtet. „Das Auge isst mit“ weiß sie.“ „So dement, wie die Menschen hier sind, ich betrete den Raum und sie kommen mit offenen Armen auf mich zu“, erzählt die 55jährige. Das sei das schönste Gefühl, das sie kenne. Natürlich, sie sei von Natur aus eine Frohnatur, „aber wer Lebensfreude und Freude an Menschen mitbringt, wird in dieser Arbeit hier aufgehen“, ist sie überzeugt. „Ich habe hier meine Welt, mein Ding gefunden.“ In profunden und gut strukturierten Kursen, die die IHK in Zusammenarbeit mit der Samariterstiftung anbietet, ist sie auf ihren neue Tätigkeit vorbereitet worden. Dabei ging es nicht nur um die Arbeit am Menschen. Denn, in einer Hausgemeinschaft muss viel und so ziemlich alles dokumentiert werden. Die wichtigen Hygienevorschriften verlangen beispielsweise regelmäßige Temperaturmessungen der Gerichte und ebenso, verlässliche Rückstellproben des Essens zu nehmen. „Das ist eine verantwortungsvolle Aufgabe, die sehr gewissenhaft ausgeführt werden muss. Schließlich geht es um die Gesundheit der Bewohnerinnen und Bewohner.“ Lieber ist es der Tine, wie Christine Bachmann hier von allen genannt wird, wenn sie den Geburtstagstisch für einen ihrer hochbetagten Jubilare decken kann. Wenn beim Anblick der Kerze und des Geburtstagskuchens die Augen des Beschenkten leuchten, geht der Tine das Herz auf. 

INFO:
Wer sich für die Tätigkeit und die Ausbildung interessiert bitte melden:

Dr.-Vöhringer-Heim 
Thomas Kaiser, Hausleitung 
Telefon 07022-505-101 

Im Dr.-Vöhringer-Heim werden noch Alltagsbegleiterinnen gesucht.