Backrezepte für Jedermann >
< Neues Projekt Hauszeitung
14.12.17 - Kategorie: Dr.-Vöhringer-Heim + Kroatenhof

Weihnachtsduft liegt in der Luft


 Bankauszubildende der Kreissparkasse Nürtingen-Esslingen backen mit Bewohnerinnen im Kroatenhof

Ein erfolgreiches Projekt findet seinen gelungenen Abschluss. Seit September haben 16 Auszubildende verschiedener Banken im Landkreis Esslingen jeden Dienstagmittag zwei Stunden mit den Bewohnerinnen und Bewohnern des Dr. Vöhringer Heimes, der Seniorenwohnanlage Kroatenhof und mit Beschäftigten der Werkstatt für Menschen mit einer psychischen Erkrankung verbracht. Jetzt in der Weihnachtszeit wurde oft und gern gemeinsam gebacken. So auch im Kroatenhof. Acht Bewohnerinnen haben gemeinsam mit zwei Auszubildenden Weihnachtsplätzchen gebacken. Die versüßen den Abschied und schmecken allen gut. 

Seit 2002 ist diese Kooperation zwischen den Banken im Landkreis Esslingen, der Albert-Schäffle-Schule, Kaufmännische Schule auf dem Säer und der Samariterstiftung in Nürtingen fester Bestandteil der Ausbildung.

Es duftet nach Butter, Vanille und Zitrone. Im Speisesaal der Seniorenwohnanlage im Kroatenhof wird geknetet, ausgrollt und ausgestochen. Es gibt Ausstecherle, Schokotaler und Vanillekipferl. „Das habe ich schon so lange nicht mehr gemacht“, freut sich Katharina Tonigold. Die 85jährige ist Ungarndeutsche und lebt seit 1971 in Nürtingen. Auch die 81jährige Helga Angloher hat seit 20 Jahren keine Weihnachtsplätzchen mehr gebacken. Jetzt schwelgt sie im Glück und im Kipferl-Teig. Seit eineinhalb Jahren lebt sie nun im Kroatenhof und findet es toll, „dass es hier so viele schöne Angebote gibt“. Die 22jährige Scarlett Pahl, Bankauszubildende im zweiten Lehrjahr ist noch etwas unsicher. „Wie geht das jetzt mit dem Ausrollen“, fragt sie in die Runde, und es wird ihr fachkundig gezeigt. „Mit Gefühl, nicht so zaghaft“, muntert die 91jährige Waltraud Faith sie auf. Sie selbst schwingt das Wellholz, als hätte sie nie etwas anderes getan. 

Jessica Hartmayer, auch Auszubildende und Scarlett Pahl sind traurig, dass das „Soziale Lernen“ hier im Kroatenhof nach nun 11 Wochen schon vorbei ist. Die Begegnungen am Dienstagnachmittag mit den Seniorinnen haben beide tief berührt. „Wir mussten uns auf die Menschen hier einlassen und haben viel von ihnen gelernt“, das ist ein wunderbares Projekt, das uns selbst sehr weiter gebracht hat.“ „Ich bin im Umgang mit anderen Menschen geduldiger geworden und kann mich nun viel besser in die Lage der alten Menschen hineinversetzen.“ Während sie dies sagt, beobachtet sie Anneliese Dümmler. Die 91jährige ist bereits seit einer Dreiviertelstunde Gast im Speisesaal, umkreist immer wieder den Backtisch, stibitz einen Krümel Teig und kann sich aber nicht zum Mitmachen entschließen. „Hier ist etwas frei“, sagt Jessica Hartmayer, nimmt sie an der Hand und führt sie an den freien Platz. Das erste Guatsle wird noch zögerlich gestochen und dann geht plötzlich alles wie gelernt. „Mein Vater ist Bäcker gewesen“, lässt sie die anderen wissen. „Was lernt man bei Ihnen in der Schule“, fragt sie dann ihre junge Nachbarin. So kommt am Backtisch das eine oder andere Gespräch auf. Die Frauen erfahren aus ihren jeweiligen Lebenswelten. 

„Das war und ist das Tolle an dem Projekt. Wir kommen mit Sachen in Berührung, die wir sonst nicht kennenlernen würden, und man bekommt so viel Dankbarkeit zurück“, freuen sich die beiden Auszubildenden.“ Wir als Schule wollen genauso wie die Banken nicht nur Fachwissen vermitteln sondern auch Sozialkompetenz stärken“, erklärt Barbara Dieterich, Studienrätin, die das Projekt an der Albert- Schäffle-Schule federführend betreut. „Es ist schön zu beobachten, dass die Azubis wertvolle Erfahrungen aus den entstandenen Beziehungen mitnehmen.“ Für die beiden jungen Frauen ist jetzt schon klar: „Auch wenn das jetzt der Abschluss ist, wir besuchen weiter unsere Damen im Kroatenhof.“