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21.09.16 - Kategorie: Dr.-Vöhringer-Heim + Kroatenhof

Froh zu sein, bedarf es wenig

Dienstälteste Bewohnerinnen erinnern sich an die Anfänge des Kroatenhofes vor 20 Jahren


Ein beispielhaftes Wohn- und Betreuungsprojekt feiert Geburtstag. Der Kroatenhof wird im Oktober 20 Jahre alt. Mit der betreuten Wohnanlage Kroatenhof hat die Stadt Nürtingen gemeinsam mit der Samariterstiftung als Betreiber und der Siedlungsbau Neckar-Fils als Bauträger seinerzeit das Wohn- und Betreuungskonzept realisiert. In den altengerecht gestalteten Wohnungen und den zugehörigen Gemeinschaftseinrichtungen können ältere Menschen so unabhängig und eigenständig wie möglich leben, ohne bei Bedarf auf professionelle Hilfestellung verzichten zu müssen. Die Nähe zur Innenstadt ermöglicht den Bewohnern aktiv am städtischen Leben teilzuhaben.

Elsa Koppitz, ist damals mit 71 Jahren als erste Bewohnerin in den Kroatenhof eingezogen. Die waschechte Nürtingerin hat viele Jahre ehrenamtlich für das Rote Kreuz in der Stadt gewirkt, gewirbelt und geschafft. Auch für andere caritative Aufgaben war sich die vierfache Mutter nie zu schade. „Damals fand ich es toll, näher an meinen Wirkungskreis zu ziehen“, erinnert sich die heute 91jährige. Bis vor drei Jahren war sie eine leidenschaftliche und beliebte Bäckerin. Schwarzwälder Kirsch, Käse- oder Apfelkuchen zählten zu ihren Meisterwerken. Damit hat sie auch den Kroatenhof ehrenamtlich bedient und verwöhnt. Heute machen die Finger nicht mehr so mit, und sie muss sich wohl oder übel bebacken lassen. „Aber ich koche mir noch jeden Tag selbst“. Ihr 42-Quadratmeter-Appartement verfügt über eine kleine Küche. „Mein Leben lang habe ich geschafft und war für andere da. Dass mein Körper jetzt nicht mehr so kann, damit kann ich mich arrangieren. Aber dass ich jetzt um Hilfe fragen muss, das geht mit manches Mal schwer über die Lippen.“ Das Konzept „so lange es geht, selbstständig und unabhängig leben und wohnen zu können“ unterstützt sie in dieser Lebenslage optimal. Sie kann sich mit ihren Kenntnissen und Fähigkeiten bei gemeinsamen Aktivitäten und Unternehmungen einbringen, so sie möchte. Wenn es ihr aber nach Rückzug und Alleinsein ist, geht auch das.

Eine Woche war sie seinerzeit im Kroatenhof ganz alleine. Dann kam Christine Etzler mit ihrem Mann. Jener war ein Pflegefall und zuhause am Lerchenberg ging es einfach nicht mehr. Sie kauften eine Zwei-Zimmer-Wohnung im Kroatenhof. Doch schon nach einem Jahr stellte sich heraus, dass er mehr Pflege bedurfte, als es im Betreuten Wohnen im Kroatenhof möglich war. Er wechselte ins Dr.-Vöhringer-Heim in Oberensingen. Seine Frau gehört heute gemeinsam mit Elsa Koppitz und Anneliese Maier zu den „dienstältesten Bewohnerinnen“. Damals wie heute engagiert sich Christine Etzler für den Kroatenhof. Sie ist die Seele und das Rückgrat des Strickkreises, der sich regelmäßig trifft. Auch sie selbst greift immer wieder zu den Nadeln. Noch immer spielen die drei Damen wie vor 20 Jahren jeden Samstag gemeinsam Rommé. Ein Stückle Kuchen, eine Tasse Kaffee dazu und das samstägliche Damen-Trio fühlt sich wohl. 

„Es ist auch eine Erleichterung, dass ich keine Kehrwoche, keinen Gartenarbeit mehr erledigen muss“, freut sich Christine Etzler. Gemeinsam mit Elsa Koppitz erinnert sie sich daran, wieviel sie vor 20 Jahren noch auf die Beine gestellt haben. „Heute kommen viele Mitbewohner gebrechlicher im Haus an, und deswegen bleiben sie oft nicht mehr so lange bei uns. Ihr Pflegebedarf wächst meistens sehr schnell und kann dann im Kroatenhof nicht mehr aufgebracht werden“, erklären sie. Ihre Erinnerungen gehen noch weiter zurück: „Früher haben die Frauen die Mütter, Schwiegermütter und auch Ehemänner zuhause gepflegt, wenn es nötig war. Das alles zu Haushalt und sonstigen Verpflichtungen.“ „Wenn ich daran denke, ist es ein gutes Gefühl und macht mich froh, dass ich hier so gut versorgt bin“, sagt Elsa Koppitz und nach einer kurzen Pause, „und dass ich nur die Hilfe annehmen muss, die ich auch wirklich brauche.“ Jeden Morgen kommt Unterstützung um die starken Kompressionsstrümpfe anzulegen, einmal in der Woche erfährt sie Hilfe beim Duschen und dreimal in der Woche erhält sie jeweils eine Stunde Lymphdrainage. 

Der Geburtstag des Kroatenhofes wird am Samstag, 8. Oktober, mit einem Tag der Offenen Tür von 11 bis 17 Uhr gefeiert. Die Feier beginnt mit Grußworten von Wegbegleitern aus Verwaltung, Politik, der Diakoniestation und der Samariterstiftung. Es wird von 12 Uhr an einen offenen Mittagstisch mit Maultaschen und Kartoffelsalat geben. Anschließend werden stündlich Führungen durchs Haus mit Wohnungsbesichtigungen angeboten. Von 14.30 Uhr an gibt es Kaffee und Kuchen. Musikalisch wird der Tag von dem Duo „Harmo-Nix“ begleitet. Außerdem zeigen die Bewohner Arbeiten aus einem kunsttherapeutischen Projekt. 

INFO: 

Wohnungsangebot: 
• 94 betreute Wohnungen - 1 1/2-, 2- und 3-Zimmer-Appartments (40m² bis 90 m²) 

Betreuungs- und Serviceleistungen: 

Grundleistungspaket:
• Notbereitschaft im Haus rund um die Uhr 
• Hausleitung und eine weitere Ansprechperson 
• sozialdienstliche Beratung 
• zahlreiche Veranstaltungen im Haus 
• offener Mittagstisch 

Wählbare Dienstleistungen: 
• Essen 
• Wohnungsreinigung 
• Wäschedienst 
• medizinisch-pflegerische Dienste etc. 
• Hausmeisterleistungen