Daumen drücken >
< Der Seele Halt geben
12.10.16 - Kategorie: Samariterstift Obersontheim, Neues aus der Samariterstiftung

1A-Lieferant für Kärcher

Fränkische Werkstätten sind 25 Jahre alt – Bernd Otter ist Werkstattleiter seit den ersten Stunden


Die Fränkischen Werkstätten sind 25 Jahre alt. Sie sind Teil der Samariterstiftung und eine der ältesten Einrichtungen in Württemberg. Und seit den Anfängen unterhalten die Fränkischen Werkstätten eine enge Kooperation mit Kärcher. Eine Zusammenarbeit von der beide Seiten enorm profitieren. In den 1960er Jahren wurden erstmals „Beschützende Werkstätten” von der Elternvereinigung Lebenshilfe in Deutschland gegründet und deren Bestand von etwa 1970 an flächendeckend als „Werkstätten für Behinderte” (WfB) ausgebaut. Vieles hat sich seither geändert. Beispielsweise heißt es mittlerweile nach der UN-Behindertenrechtskonvention von 2006 „Menschen mit Behinderung“ und nicht mehr „Behinderte“, denn der Mensch steht im Vordergrund, nicht die Behinderung. Diesen Prozess, weg von der Integration und hin zur Inklusion. hat Bernd Otter als Werkstattleiter der Fränkischen Werkstätten mit vorangebracht.

„Es ist menschlich, Menschen Verantwortung zu geben“, sagte Hartmut Jenner, Kärcher-Chef, der es sich nicht nehmen ließ, höchst selbst zu den Geburtstags Feierlichkeiten nach Obersontheim zu kommen. Der Top-Manager des Global Players ist selbst seit 25 Jahren bei Kärcher und hat miterlebt, wie die Zusammenarbeit zwischen Kärcher und den Fränkischen Werkstätten alle Zeiten überdauert hat. „Die Zusammenarbeit ist ein großer Erfolg. 80 Prozent der Arbeit der Fränkischen Werkstätten sind Arbeiten für Kärcher“, berichtete er. Das sei ein wirklich großes Volumen, das sich in 60 Gitterboxen besser erfassen lasse. „Der große Vorteil ist die Standortnähe der Kooperationspartner.“ Nur 300 Meter Luftlinie lägen zwischen ihnen. Schnelle Transporte, unbürokratische Abwicklung und eine gute und partnerschaftliche Zusammenarbeit seien die Folge. Das schlägt sich sogar in einer Ausbildungskooperation nieder.

„Die Fränkischen Werkstätten sind für Kärcher ein 1-A-Lieferant. Und wir von Kärcher legen hohe Maßstäbe an“, sagte der Kärcher-Chef. So viel Lob und so viel Ehre. Die anwesenden Beschäftigten der Werkstätten schenkten ihm reichlich Applaus dafür. Doch auch sie bekamen ein Geschenk. Hartmut Jenner hatte einen 150 Millionen Jahre alten Ammoniten aus Holzmaden mitgebracht. Ein Geschenk, das es ansonsten nur intern für Kärcher-Jubilare gibt. „Ihr seid Kärcher“, signalisierte Jenner damit. „Das haben wir nicht erwartet“, freute sich Frank Silbermann, Regionalleiter der Sozialpsychiatrie Schwäbisch Hall, zu der die Werkstätten gehören.

Für den Landkreis, Kostenträger der Fränkischen Werkstätten, sprach Sozialdezernent Thomas Haag Glückwünsche aus. Das Samariterstift gäbe mit seinen Arbeitsmöglichkeiten in den Werkstätten vor allem jenen einen Platz in der Gesellschaft, die erst im Erwachsenenalter psychisch erkrankt seien und demzufolge mit individuellen Berufserfahrungen präsent seien. Thekla Schlöhr, Chefin der Haller Agentur für Arbeit, betonte, dass sie noch keine andere Werkstatt für Menschen mit Behinderung erlebt habe, in der die Arbeit von so außerordentlich hoher Qualität sei wie in den Fränkischen. „Es gehört Kreativität, Knowhow und Zugewandtheit dazu, für die Menschen immer wieder neue Aufgaben zu erschließen“, sagte sie. Christoph Ketelhut, Vorsitzender des Fachverbandes Behindertenhilfe, freute sich: „Es ist wichtig, Arbeitsmöglichkeiten für Menschen zur Verfügung zu stellen, die besondere Bedingungen benötigen.“ Menschen dürften nicht von Arbeit ausgeschlossen sein. 

„Ich hatte die ehrenvolle Aufgabe, die Werkstatt mit aufzubauen“, erinnert er sich Bernd Otter, der Werkstattleiter. Der Start: 19 Beschäftigte, überwiegend Frauen, die oft mehrfach behindert waren und im Schloss wohnten. „Dann ging es darum, was das Samariterstift Obersontheim mit dem Aufbau der Fränkischen Werkstatt in Obersontheim für Aufgaben im Landkreis übernimmt“, erzählt Bernd Otter. Es sei nicht darum gegangen, die Menschen mit Behinderung nur zu verwahren. Es ging gemäß der Aufgabenstellung des Landkreises darum, eine Werkstatt als sinngebende Tagesstruktur und Teil der gefragten sozialpsychiatrischen Versorgung des Landkreises aufzubauen und weiter zu entwickeln. Für diese seine Arbeit in all den Jahren wurde Bernd Otter mit der Kronenkreuz der Landesdiakonie ausgezeichnet.