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25.02.16 - Kategorie: Neues aus der Samariterstiftung, Samariterstift Münsingen, Samariterstift Grafeneck

Vor der Wahl ist nach der Wahl

Achtes Werkstattgespräch mit den vier Landtagskandidaten in Münsingen


„Was geschieht mit unserem Geld“, so lautete die Frage beim 8. Werkstattgespräch in der Werkstatt an der Schanz in Münsingen. Die vier Landtags-Kandidaten Andreas Glück (FDP), Klaus Käppeler (SPD), Thomas Poreski (Grüne) und Karl-Wilhelm Röhm (CDU), die sich für ihren Wiedereinzug in den Landtag um die Wählergunst bemühen, stellten sich an dem Abend dem Thema. Auf Einladung der MÜNSINGER ALB STIFTUNG -  Zeit für Menschen, der Samariterstiftung und des Wirtschaftsverbundes Pro Münsingen diskutierten die Abgeordneten der im Landtag vertretenen Parteien. Über die Verteilung von Ressourcen und Werten, die eine soziale Gesellschaft ausmachen.

Es ist nicht einfach, so kurz vor den wichtigen und entscheidenden Landtagswahlen eine solche Veranstaltung mit gesellschaftspolitischem Anspruch auf die Beine zu stellen, ohne dass eine platte Wahlkampfveranstaltung daraus wird. Doch Reinhard Gradmann, Geschäftsführer von Zeit für Menschen und Schulrätin Claudia Ostertag aus Gomadingen moderierten gekonnt durch den Abend und umschifften eben jene Klippen.

Die Eckdaten des Landeshaushaltes hatten die Veranstalter des Abends den etwa 70 Zuhörern Schwarz auf Weiß auf ihre Plätze gelegt. So konnten sie nachlesen, dass 47 Milliarden im laufenden Haushaltsjahr zur Verteilung zur Verfügung stehen. Wer soll jetzt ein großes und wer ein kleineres Stück vom Kuchen kriegen? Darüber gingen je nach Parteicouleur die Meinungen bisweilen weit auseinander. Karl-Wilhelm Röhm dämpfte gleich zu Beginn jedwede Euphorie. Das Land habe dermaßen viele Pflichtaufgaben, dass für freie Vergabe von Mitteln nicht mehr viel zur Verfügung stünde. Landespolitik müsse einen Ausgleich zwischen verschiedenen Interessen anstreben. Klar und einig waren sich die Landespolitiker, dass im Sozialen doch noch Einiges zu geschehen habe. Genannt wurden Bereiche wie Bildung, Pflege und Integration. 

Die Frage „Was hält unsere Gesellschaft zusammen“, beantworteten die Landespolitiker schriftlich. Poreski notierte „Familie, bürgerschaftliches Engagement und soziale Gerechtigkeit", Glück „Kinder, Kunst, Gerechtigkeitsgefühl, Drang nach Frieden, Käppeler „Solidarität, Freiheit und Gleichheit“. Das Thema Bildungspolitik brannte allen gemeinsam auf den Nägeln. Thomas Poreski erklärte, dass man Rücksicht darauf nehmen müsse, dass Kinder unterschiedlich lernen würden. Er würde seine Kinder auf eine Gemeinschaftsschule schicken. Andreas Glück sprach von einem ganzen „Strauß an Schulen", von denen die  Gemeinschaftsschule eine sein könne. Es könne und dürfe aber nicht sein, dass diese von den Mitteln her besser gestellt werde als andere Schulen. Klaus Käppeler meinte, dass eine gute Schule entscheidend abhängig sei von engagierten Lehrern. In einer guten Schule erhalte ein Kind notwendige Unterstützung, egal welcher Herkunft es sei, werde gefördert, ohne dass Nachhilfe nötig sei. Ein gedeihliches Miteinander aller am Schulleben Beteiligten mache eine gute Schule aus, so  Karl-Wilhelm Röhm. Wichtig seien persönlichkeitsbildende Angebote. Kinder sollten ihre Talente einbringen können, wofür Stunden bereitgestellt werden müssten. Die aber seien erheblich gekürzt worden. 

Als aus den Zuschauerreihen die Frage laut wurde, warum die Pflege dermaßen bürokratisiert sei, verschrieben sich die Landtagsabgeordneten einer Vereinfachung der Dokumentations-pflicht. So bewegten sich die Politiker zwischen Steuereinnahmen und Schlaglöchern, bezogen je nach Parteizugehörigkeit Position und bekannten sich trotzdem zur wachsenden Zivilgesellschaft. Bürgerinnen und Bürger übernehmen Verantwortung, zeigten Flagge. Deshalb sei es richtig und wichtig, sich als gewählte Volksvertreter fragen zu lassen, warum und woran es in der Gesellschaft krankt. Unfassbare Summen zur Rettung von angeschlagenen Banken oder Unternehmen seien da. Die Flüchtlings-Debatte zeige, wie fragil das Selbstverständnis der Deutschen sei. Essenzielle Dinge wie Nahverkehr, Altenarbeit, soziale Projekte – für all dies sei kein Geld da, monierte ein großer Teil der Bürgerschaft. Bleibt abzuwarten, ob vor der Wahl das besprochen worden ist, was dann nach der Wahl gehalten wird. Den Abgeordneten wird genau zugehört werden.