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15.12.15 - Kategorie: Neues aus der Samariterstiftung, Samariterstift Leonberg+Seniorenzentrum Parksee

Einfach mal wegfahren

Irmgard Vogel wird aus dem Dienst in der Samariterstiftung verabschiedet


„Ich gehe mit einem guten Gefühl“, sagt Irmgard Vogel nach mehr als 17 Jahren in den Diensten der Samariterstiftung. „Wenn die eine Türe zu geht, geht eine nächste auf“, ist sie voller Zuversicht. Irmgard Vogel wird mit einer offiziellen Feier kurz vor Weihnachten in die passive Phase des Ruhestands verabschiedet. 

Als ihre Kinder in Kindergarten und Schule gingen, hat Irmgard Vogel angefangen,  in der Pflege zu arbeiten. Viele Jahrzehnte unter maximaler Belastung. Ihre drei Töchter haben das gespürt. „Aber mir war der Raum für die Familie immer sehr wichtig“, betont sie. Zumal da das Leben ihr sehr wohl einen Rucksack mit schwerem Marschgepäck mitgegeben hat. Denn Irmgard Vogel ist seit vielen Jahren Witwe. Vielleicht ist es diese Zeit der persönlichen Trauer, die die Hausleiterin nochmals  zu neuen Ufern aufbrechen lassen wird. Denn, wenn sie in Ruhestand ist, möchte sie sich aktiv in die Hospiz- und Trauerarbeit einbringen. Vielleicht ist dies die neue Tür, die für sie aufgehen wird. „Trauerkultur ist mir ein Herzensanliegen“, sagt Irmgard Vogel. Das haben bereits die Bewohnerinnen und Bewohner in Leonberg gespürt. Gedenkgottesdienste oder die Erinnerungsstele im Eingangsbereich, Irmgard Vogel hat Zeichen der Erinnerung gesetzt. In den bewegten Tagen des Herbstes wurde dort auch des verstorbenen Altkanzlers Helmut Schmidt und der ermordeten Terror-Opfer von Paris gedacht. Dreieinhalb Jahre hat Irmgard Vogel dem Samariterstift Leonberg als Hausleitung vorgestanden. Viele Akzente konnten in der Zeit gesetzt, Dinge initiiert werden. „Ich gehe und weiß vieles auf einem guten Weg“, sagt sie.  

Bis Mitte 2012 hat die agile 61erin den Pflege- und Betreuungsdienst im Tübinger Haus im Mühlenviertel geführt. Davor war sie im Haus am Österberg aktiv. Mit Tübingen hat die geborene Riedlingerin immer gute Erinnerungen verbunden. Dorthin ist sie vor kurzem auch zurückgezogen. „Einen Rückzugsort, wo ich mich wohl fühle, brauche ich“, sagt sie. Zwei ihrer drei Töchter leben in näherer Umgebung, eine aber in Hamburg. „Was für ein Luxus, dort einfach mal hinfahren zu können und ein paar Tage zu bleiben“, freut sich Irmgard Vogel. Drei Enkel warten auf die Oma, die von jetzt an mal richtig viel Zeit für sie mitbringt. Der jüngste ist gerade mal vier Monate alt. Aber das ist nur eines der Ziele, die Irmgard Vogel vorschweben. „Ja, ich habe noch Träume“, lacht sie, „im September kommenden Jahres soll es nach Spitzbergen gehen.“ Also, von nichts keine Rede, allerdings wird alles nun im eigenen Tempo geschehen. „Ich muss einen Gang zurückschalten.“ Kater Capo, der mit nach Tübingen zurückgekehrt ist, wird das seine dazu beitragen. Ist ja bekannt, dass Menschen mit Katze ausgeglichener sind, als jene ohne. Das Schnurren einer Katze senkt den Blutdruck nachgewiesenermaßen. 

„Ich bin einverstanden, mit all dem, was gekommen ist“, blickt Irmgard Vogel zurück. Ganz vieles habe sie mit Sinn erfüllt. Bei allem, was sie bewegte und was durch sie bewegt wurde, habe sie immer eine schützende Hand über sich gespürt. Diese Gewissheit von Aufgehobensein hat sie stets versucht an ihre Bewohnerinnen und Bewohner weiterzugeben. An anderer Stelle hat sie einmal gesagt, sie sei leidenschaftlich gern Mutter. Was zeichnet eine Mutter aus? Fürsorge, Nähren, Umsorgen, Versorgen und Kümmern – all dies hat Irmgard Vogel auch ihren Mitarbeitenden sowie den Bewohnerinnen und Bewohnern im Haus zukommen lassen. In diesem Sinn hat sie sich selbst stets als Coach verstanden. „Ich bin für meine Mitarbeitenden da. Ich will sie mitnehmen, ihre individuellen Ansätze stärken und ihnen Mut zusprechen.“ Das sei es, was sie selbst erfahren habe. „Ich hatte in der Samariterstiftung immer Unterstützung und eine Chance mich selbst zu entwickeln“, zeigt sich Irmgard Vogel dankbar. Der Blick auf eine Altenhilfe, in der Selbstbestimmtheit und viel Lebensfreude zu finden sind, war ihr ein großes Anliegen. Dabei wandelt sich das „Heim“ zum „Wohnhaus im Quartier“. Dass  auf diesem Weg so etwas wie die Quartiersentwicklung, das neue Nachbarschaftsgefühl im Wohnviertel am Blosenberg entstanden ist, freut sie sehr.